Huawei: TomTom soll Google Maps ersetzen

Huawei hat eine Partnerschaft mit dem niederländischen Unternehmen TomTom geschlossen. Der Tech-Konzern will so Google Maps ersetzen.

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(Bild: heise online; Daniel Herbig)

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Huawei-Handys können Kartenmaterial künftig von TomTom bekommen. Ein Sprecher des niederländischen Unternehmens hat der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, dass Huawei Zugriff auf TomToms Karten und Verkehrsinformationen bekommt. Der Deal sei bereits vor einiger Zeit abgeschlossen worden, Hintergründe sind nicht bekannt.

Wegen eines US-Embargos darf Huawei das Android-Betriebssystem nur noch in der eingeschränkten Open-Source-Version verwenden, der unter anderem wichtige Google Apps wie der Play Store und Gmail fehlen. Auch Google Maps darf Huawei nicht mehr auf seinen Geräten vorinstallieren. Durch den Deal mit TomTom könnte Huawei eine Ersatz-App für Google Maps auf seine Geräte bringen, berichtet Reuters.

TomTom ist vor allem für seine Navigationsdienste bekannt. Weil sich Auto-Navigationssysteme nicht zuletzt wegen vernetzter Handys mit Google Maps im Consumer-Bereich schlechter verkauften, konzentriert sich die Firma nun verstärkt auf das Software-Geschäft. Ein Mobile Software Developer Kit für Android und iOS mit Karten- und Verkehrsinformationen hat das Unternehmen schon Ende 2018 vorgestellt.

Huaweis Suche nach Google-App-Alternativen kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass der westliche Markt noch nicht aufgegeben wurde. Seit dem US-Embargo im Frühjahr 2019 hat sich der Release-Rhythmus von Huawei-Smartphones allerdings stark verlangsamt. Das Spitzenmodell Huawei Mate 30 Pro kam wegen der fehlenden Android-Lizenz erst Monate nach der Präsentation nach Deutschland – und war nur in begrenzter Stückzahl verfügbar. Stattdessen hat Huawei mehrmals leicht überarbeitete, ältere Geräte unter neuem Namen nach Deutschland gebracht.

Die Handy-Software bereitet Huawei also weiterhin Kopfzerbrechen. Einen Weg, Handys komplett ohne Hardware aus den USA zu bauen, hat Huawei aber bereits erprobt: Laut einer Teardown-Analyse von UBS und Fomalhaut Techno Solutions haben weder das Mate 30 noch das Y9 Teile, die von Unternehmen aus den USA gefertigt wurden. Ersatz kommt von europäischen Unternehmen wie dem niederländischen Hersteller NXP oder von SDT mit Sitz in der Schweiz. (dahe)