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Huaweis Charme-Offensive: "Unser Geschäft beruht auf Kooperation"

Im US-Handelskrieg mit China ist Huawei schwer in Bedrängnis geraten. Mit einer Studie betont das Unternehmen seine wirtschaftliche Rolle in Deutschland.

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Huawei auf dem MWC 2018: Inzwischen führt der Weg in eine ungewisse Zukunft.

(Bild: heise online)

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Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei steht international unter Druck und setzt auch in Deutschland seine Charme-Offensive fort. Das Unternehmen hat am Montag in Berlin eine Auftragsstudie vorgestellt, die den "Ökonomischen Fußabdruck von Huawei in Deutschland" vermisst und die wichtige Rolle des Unternehmens für die deutsche Wirtschaft betont. Erstellt hat die Studie DIW Econ, der Beratungsarm des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

US-Sanktionen gegen Huawei

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Deutschland ist ein wichtiger Standort für den chinesischen Konzern. "Deutschland ist Huaweis wichtigster Markt außerhalb Chinas", betonte Deutschlandchef Dennis Zuo. In Düsseldorf hat Huawei sein deutsches Hauptquartier, auch die Europazentrale des Konzerns ist dort angesiedelt. Insgesamt beschäftigt Huawei in Deutschland rund 2600 Mitarbeiter und erwirtschaftet hier einen Umsatz von zuletzt 2,7 Milliarden Euro (2018).

Die Studie von DIW Econ versucht zu erfassen, wie Huawei diese direkten Effekte hinaus "in unterschiedlicher Weise auf die deutsche Wirtschaft" wirkt. Die Autoren beziffern den Bruttowertschöpfungseffekt von Huaweis Unternehmenstätigkeit in Deutschland mit "über 2,3 Milliarden Euro", darüber hinaus hängen die Arbeitsplätze von 28.000 Menschen daran.

Yann Girard von DIW Econ betonte auch die Rolle Huaweis für den Forschungsstandort Deutschland. Das Unternehmen hat im Jahr 112 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert, in den vergangenen fünf Jahren waren es zusammen 450 Millionen. Ein wichtiger Standort ist in München, der mit mehr als 400 Mitarbeitern das größte Forschungszentrum des Unternehmens in Europa ist. Darüber hinaus arbeiten in Nürnberg, Berlin und Dresden weitere Forschungsteams.

Huawei ist unmittelbar von dem Handelskonflikt zwischen den USA und China betroffen. Die US-Regierung hat den Konzern im Mai auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Danach haben viele internationale Unternehmen ihre Kooperation vorerst unterbrechen oder auf den Prüfstand stellen müssen. So steht die weitere Nutzung des Smartphone-Betriebssystems Android von Google und der Chip-Architektur des britisch-japanischen Technologie-Spezialisten ARM auf der Kippe.

Die US-Sanktionen haben direkte Auswirkungen auf das Geschäft – auch in Deutschland. Das Unternehmen verkauft deutlich weniger Smartphones als üblich. Auch die Markteinführung des Falt-Smartphones Mate X hat Huawei verschoben. Unbestätigten Berichten zufolge hat der Hersteller die Produktion von Smartphones vorübergehend gedrosselt.

Huawei hat den Marktstart des Mate X verschoben

Der Technikchef von Huawei Deutschland spricht von einer ernsten Situation, rechnet aber mit Entspannung. "Ich gehe davon aus, dass sich das Thema früher oder später lösen wird", sagte CTO Walter Haas am Montag in Berlin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die globale Wirtschaft und die weltumspannenden Wertschöpfungsketten unter dem derzeitigen Paradigma weiter funktionieren wird." Tatsächlich machen sich bereits zahlreiche US-Unternehmen für eine Lockerung der Sanktionen stark.

Unterdessen schlägt der Konzern selbst eher leisere Töne an und versucht, mit Transparenz und Argumenten die Debatte zu beruhigen. Haas verweist auf die langjährige und gute Zusammenarbeit mit den deutschen Netzbetreibern. "Unser Geschäft beruht auf Kooperation", sagte der CTO. "Wir liefern Plattformen und sind ein Enabler, der die deutsche Wirtschaft auf ihrem Weg in die Digitalisierung unterstützt." (vbr)