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Huaweis Geschäft blüht trotz Spionage-Angst

Der chinesische Anbieter verdient auch wegen der erfolgreichen Smartphone-Sparte gut. Die Netzsparte bleibt trotz der Spionage-Vorwürfe optimistisch.

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Netzausrüster Huawei auf dem Mobile World Congress 2018.

(Bild: heise online)

Die Geschäfte des chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei laufen trotz anhaltenden politischen Gegenwinds prächtig. Im ersten Quartal 2019 hat das Unternehmen, das vor allem Mobiltelefone und Netzinfrastruktur herstellt, seinen Umsatz eigenen Angaben zufolge um 29 Prozent auf knapp 180 Milliarden Yuan (rund 24 Milliarden Euro) steigern können. Unterm Strich blieben dem Unternehmen einer Mitteilung zufolge ein Gewinn von umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro. Weitere Einzelheiten nennt das Unternehmen nicht. Huawei ist nicht börsennotiert.

Knapp die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Huawei Verbrauchergeschäft, das die Smartphone-Sparte umfasst. In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 hat Huawei eigenen Angaben zufolge weltweit 59 Millionen Smartphones ausgeliefert. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr: Für das erste Quartal 2018 stehen rund 40 Millionen Smartphone zu Buche. Huawei ist damit auf dem Weg, Apple dauerhaft zu überholen, und hat seine Ambitionen unterstrichen, spätestens im kommenden Jahr auch Marktführer Samsung abzulösen.

Auch für das Netzwerkgeschäft ist Huawei zuversichtlich. Von dem in vielen Ländern laufenden oder anstehenden Ausbau von 5G-Mobilfunknetzen verspricht sich der Ausrüster gute Geschäfte. "Dieses Jahr wird auch der großflächige Ausbau von 5G auf der ganzen Welt ein Thema sein", teilt das Unternehmen mit. Demnach hat Huawei bis zum Abschluss des ersten Quartals 40 Verträge für 5G mit großen Netzbetreibern unterzeichnet und mehr als 70.000 5G-Basisstationen in alle Welt geliefert. Huawei ist der größte der drei wichtigsten Netzausrüster und nimmt bei 5G-Technik eine Führungsrolle ein.

Im Hinblick auf Huaweis Beteiligung am 5G-Ausbau, der als kritisches Infrastrukturprojekt gilt, sind viele Regierungen noch skeptisch. Vor allem aus den USA kommen Vorwürfe, Huawei könne Hintertüren in seine Technik einbauen oder mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten. Bewiesen sind diese Vorwürfe bisher nicht und Huawei weist sie zurück. Die US-Regierung hat bis zuletzt auf einen Ausschluss von Huawei gedrängt. Die großen US-Netzbetreiber verzichten ohnehin schon auf Technik der Chinesen. Ein US-Bann hätte aber kleinere, regionale Mobilfunker hart getroffen. Auch in Europa ist ein Verzicht auf Huawei bei 5G für die Netzbetreiber nur schwer vorstellbar.

Huawei komplett vom 5G-Ausbau ausschließen wollen nun aber offenbar nicht mal mehr die Amerikaner. Medienberichten zufolge haben sich die US-Regierung und ihre engsten Verbündeten – die sogenannten "Five Eyes"-Staaten mit Kanada und Großbritannien – darauf verständigt, Huawei nur aus den Kernnetzen zu verbannen. Das ist die aktive Netztechnik, die sensible Informationen verwalten und zentrale Netzfunktionen ausführen. Auf der Funkseite des Netzes darf Huawei-Technik weiter verwendet werden.

Berichten zufolge hat die britische Premierministerin Theresa May bereits eine entsprechende Anordnung erlassen. Für Großbritannien schreibt dieser Kompromiss den Status Quo fest: Die drei großen britischen Netzbetreiber setzen ohnehin schon hauptsächlich auf Technik anderer Anbieter. EE hatte bereits vor Beginn der Huawei-Debatte beschlossen, die Technik der Chinesen mit welcher von Nokia auszutauschen.

Dieses Szenario war auch hierzulande als möglicher Weg aus dem Huawei-Dilemma gehandelt worden. Bei den herkömmlichen Mobilfunknetzen macht Huawei den weitaus größten Teil des Geschäfts mit Funkkomponenten, das Kernnetz spielt eine untergeordnete Rolle. Doch während diese Trennung von Kernnetz und Funkseite bei 3G und 4G noch vergleichsweise einfach ist, wird es mit 5G komplizierter. Einer der zentralen Funktionen von 5G - die niedrige Latenz – wird mit Verlagerung von Kernfunktionen an die Peripherie des Netzes erreicht.

Inzwischen setzen die Europäer aber auf mehr Transparenz und Zertifizierung von Hardware für kritische Infrastrukturen. Die Bundesnetzagentur die bisher keine Kenntnis von Belegen gegen Huawei hat, soll dabei mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammenarbeiten und hat dafür bereits Eckpunkte formuliert. Diesen Weg will Huawei eigenen Angaben zufolge mitgehen. Gründer Ren Zhengfei hatte der Bundesregierung zuletzt ein "No Spy"-Abkommen angeboten. (vbr)