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Hubble-Nachfolger: James-Webb-Weltraumteleskop verzögert sich weiter und wird noch teurer

Auch 2019 wird das James-Webb-Weltraumteleskop nicht starten können, anvisiert ist nun der Mai 2020.

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Sorge um US-Weltraumastronomie: Hubble-Nachfolger JWST verzögert sich weiter

Der gigantische Spiegel des Weltraumteleskops wird getestet.

(Bild: NASA Goddard Space Flight Center)

Das ambitionierte James-Webb-Weltraumteleskop JWST verzögert sich weiter und wird damit wohl teurer, als es der US-Kongress genehmigt hat. Wie die NASA am Dienstag mitteilte, soll das Teleskop nun im Mai 2020 ins All geschossen werden, ein Jahr später als zuletzt geplant. Dadurch dürfte es insgesamt mehr als die 8,8 Milliarden US-Dollar kosten, die als Maximum erlaubt waren, schreibt Scientific American. Dann müsste der US-Kongress entweder das Budget erhöhen oder die Reißleine ziehen und das größte Projekt der Weltraumforschung beerdigen. Auch wenn dieses Szenario nicht eintreten dürfte, könnte die erneute Verzögerung verheerende Folgen für die US-Weltraumforschung haben.

Arbeiten am James-Webb-Weltraumteleskop (17 Bilder)

Der Hauptspiegel des Teleskops
(Bild: NASA)

Erste Pläne für den Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops hatte es schon in den 90er-Jahren gegeben, damals war ein Budget von 500 Millionen US-Dollar veranschlagt und ein Start im Jahr 2007. Danach verzögerte sich die Vorbereitung aber immer weiter und die angesammelten Kosten stiegen immens. Nachdem die Ausgaben bis 2010 auf 3,5 Milliarden US-Dollar explodiert waren, intervenierten die NASA und der US-Kongress, erläutert Scientific American. Festgelegt wurden dann ein Kostendeckel von 8 Milliarden US-Dollar plus mehr als 800 Millionen US-Dollar Betriebskosten. Starten sollte das Teleskop im Oktober 2018. Der Termin wurde dann auf 2019 verschoben. Die erneute Verzögerung hatte sich nach einem Bericht des US-Rechnungshofs über Probleme angekündigt.

Das JWST ist damit schon seit Jahren zu groß, um zu scheitern ("too big to fail"), schreibt das US-Wissenschaftsmagazin. Gleichzeitig zieht es so viele Ressourcen an sich, dass andere Projekte darunter leiden und die Fokussierung zum Problem werden könnte. So soll das Weltraumteleskop anders als Hubble nicht in einem niedrigen Orbit um die Erde kreisen, sondern von einer Ariane 5 zum 1,5 Millionen Kilometer entfernten Lagrange-Punkt L2 geschossen werden. Dort wären beim gegenwärtigen Stand der Technik keine nachträglichen Reparaturen möglich, wie sie bei Hubble nötig waren. Der Treibstoff an Bord würde für fünf bis zehn Jahre reichen.

Weltraumteleskop Hubble (105 Bilder)

Der Affenkopfnebel im Orion
(Bild: ESA/Hubble)

Das James-Webb-Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt der NASA, der ESA und der kanadischen CSA. Mit deutlich mehr Präzision als das Hubble-Teleskop soll es im infraroten Spektrum nicht nur die Anfänge unseres Universums und die Geschichte des Sonnensystems untersuchen, sondern auch bei der Suche nach außerirdischem Leben auf Exoplaneten helfen. Dazu müssen unter anderem die Spiegel im Weltraum mit immenser Präzision arbeiten. Ihre Rückwand darf sich beispielsweise nicht mehr als 38 Nanometer bewegen. Es soll die erfolgreiche Geschichte von Hubble fortschreiben.

Durch die Probleme fühlen sich nun Kritiker derartig ambitionierter und teurer Missionen bestätigt. Um das Risiko zu minimieren, werde immer weiter getestet und das Budget weiter aufgebläht. Trotzdem könne beim Start noch einiges schief gehen und dann wäre alles umsonst. Aber auch Befürworter von teuren Projekten wie dem JWST sorgen sich vor den Konsequenzen der Verzögerungen. Es sei nun unwahrscheinlicher, dass als Nachfolger ein weiteres Mega-Teleskop vorgeschlagen werde. Das Geld würde dann woanders hinfließen und ein Nachfolger könnte Jahrzehnte auf sich warten lassen. Ein anonymer Astronom warnt gegenüber dem Scientific American sogar:" Wenn wir nicht aufpassen, könnte das zum Ende des Goldenen Zeitalters der US-Weltraumastronomie führen".

(mho)

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