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Human Machine Interface der Zukunft: Audi zeigt neue Displaytechnik

Transparente OLEDs und 3D-AR: Audi präsentiert seine Vision für ein Human Machine Interface.

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(Bild: heise online)

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Ein transparentes OLED, das auch tiefes Schwarz darstellen kann und ein "3D-Mixed-Reality-Head-up-Display": Audi hat auf der CES in Las Vegas seine Vision künftiger HMIs vorgestellt. Zumindest Teile davon könnten schon bald in Serienfahrzeugen zum Einsatz kommen.

Bei dem OLED handelt es sich um ein 15 Zentimeter hohes und 122 Zentimeter breites Display, das sich über die gesamte Breite eines Armaturenbretts erstreckt. Der untere Bereich ist zunächst in der Instrumententafel versenkt; das Display kann auf bis zu 25,5 Zentimeter Höhe ausgefahren werden. Bedient wird es über ein Touchpad in der Mittelkonsole. Der Clou: Obwohl das Display transparent ist, kann es auch ein sattes Schwarz darstellen. Es eignet sich somit zur Darstellung von Navigationshinweisen und zum Abspielen von Filmen gleichermaßen. Während der Fahrt zeigt das Display nur die Informationen an, die der Fahrer benötigt, etwa welche Abfahrt er als nächstes nehmen muss. Der Rest bleibt transparent.

Im Unterschied zu herkömmlichen transparenten Displays kann die Audi-Entwicklung allerdings auch echtes Schwarz darstellen – das Display besteht aus zwei Ebenen, einem transparenten OLED und einer Black Layer. Dieser Layer wird nur aktiv, wenn er für die Darstellung von Schwarz benötigt wird und gibt ansonsten den Blick auf die Straße frei. Bei der Demonstration am Messestand funktionierte das tatsächlich: Wo das Display zuvor Filme mit hohen Kontrasten darstellte, blieb es später völlig transparent.

Das Video zeigt die Funktion des OLED-Displays von Audi.

Ivo Muth, Leiter UI & UX bei Audi, sieht OLEDs in Autos kurz vor der Serienreife: Während das in der Consumer Industrie schon lange der Fall ist, "hat Automotive speziellere und zusätzliche Anforderungen. Wir haben zum Beispiel Temperaturen von -40 bis 80 Grad, brauchen eine höhere Helligkeit und Ausfallsicherheit. Was das Showcase-Exponat 'Display on Demand – transparent' betrifft, sprechen wir von einem Serieneinsatz ab circa Mitte des Jahrzehnts."

Zumindest in Teilen könnte sich die zweite Display-Neuigkeit schon recht bald in Audi-Serienfahrzeugen wiederfinden: das von Audi "3D-Mixed-Reality-Head-up-Display" getaufte Navigations- und Entertainmentsystem, an dem der Autokonzern gemeinsam mit Samsung arbeitet. Die Technik ist in der Instrumententafel montiert, über Linsen und Spiegel werden Bilder auf die Windschutzscheibe projiziert. Von jedem Bild erzeugt das Display zwei Ansichten gleichzeitig: eines für das linke, eines für das rechte Auge, ähnlich der Technik eines 3D-Fernsehers. Eine Eyetracking-Kamera detektiert dabei die Position der Augen und lenkt die Pixel in die entsprechende Richtung.

Am Steuer entsteht so die Illusion eines 8 bis 10 Meter entfernt schwebenden Displays, das sowohl Navigations- als auch Multimediainhalte darstellen kann. Der Vorteil: Der Blick des Fahrers bleibt bei der Navigation auf der Straße, da beispielsweise Pfeile und andere Navigationselemente direkt darauf projiziert werden. In einem autonomen Fahrzeug könnte die Technik außerdem dazu dienen, dem Passagier zu visualisieren, welche Gegenstände und anderen Verkehrsteilnehmer das selbstfahrende System wahrnimmt, um so das Vertrauen in das Auto zu erhöhen. Laut einem Audi-Techniker könnten sich die Navigationselemente schon binnen zwei Jahren in den ersten Audis wiederfinden.

Hinweis: Audi hat die Reisekosten des Autors zur CES übernommen. (rbr)