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Humboldt-Professuren locken Spitzenforscher nach Deutschland

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Acht führende Wissenschaftler sind am Donnerstagabend erstmals mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung soll herausragende im Ausland tätige Wissenschaftler aller Disziplinen nach Deutschland locken, um als Humboldt-Professoren langfristig an deutschen Hochschulen zu forschen. Der von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und dem Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz überreichte Preis ist mit fünf Millionen Euro für experimentell und 3,5 Millionen Euro für theoretisch arbeitende Forscher der höchstdotierte internationale Preis für Forschung in Deutschland. Die jährlich bis zu zehn Preise werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und von der Alexander von Humboldt-Stiftung verliehen. Letztere ermöglicht jährlich gut 1.900 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland.

Das für die Finanzierung der ersten fünf Jahre in Deutschland bestimmte Preisgeld soll es möglich machen, den Forschern ein international konkurrenzfähiges Gehalt zu zahlen. Der überwiegende Teil der Preissumme soll aber in den Aufbau von Forschungsteams und die Ausstattung von Laboren fließen. Neben der herausragenden Qualifikation der Preisträger soll deshalb das Gesamtkonzept der vorschlagenden Hochschule den Ausschlag geben: Wie trägt der Preisträger dazu bei, das Profil und die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule im internationalen Vergleich zu stärken? Wie wird eine langfristige Perspektive sichergestellt? Gemeinsam mit einer deutschen Hochschule können auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen Vorschläge einreichen.

Die Initiatoren verbinden die Vergabe mit großen Hoffnungen: Die Arbeit der neu gewonnenen Spitzenforscher soll mit dem Aufbau der Professuren und ihrer langfristigen Einbindung in den jeweiligen Universitätsbetrieb nicht nur Deutschlands Ruf als Wissenschaftsstandort stärken und ihren neuen Universitäten helfen, auf ihrem Fachgebiet in der Weltspitze mitzuspielen, sondern auch auf die Lehre ausstrahlen. "Wir wollen erreichen, dass man international auf Deutschland blickt und sieht: Deutschland ist eine Talentschmiede, hier gibt es ein gutes Klima für Forschung und man ist daran interessiert, sich mit den Besten weltweit zu messen", sagte Schavan bei der Verleihung.

Die ersten Preisträger und ihre Universitäten sollen dafür die im folgenden dargestellten Ziele verfolgen. BMBF und Humboldt-Stiftung haben die Preisträger und ihre Arbeit in den verlinkten Kurzfilmen noch etwas ausführlicher porträtiert.

  • Oliver Brock, Informatiker, forscht nun an der Technischen Universität Berlin. Brock ist ein Vorreiter der Erforschung von künstlicher Intelligenz für autonome Roboter der nächsten Generation, die komplizierte Reaktionen und Bewegungsabläufe beherrschen und so zum Beispiel zum Einsatz in Medizin, Raumfahrt oder bei radioaktiven Unfällen geeignet sind (Film als Flash oder Quicktime).
  • Piet Wibertus Brouwer, Theoretischer Festkörperphysiker, forscht nun an der Freien Universität Berlin am Institut für Theoretische Physik. Brouwer gilt in seiner Disziplin als einer der produktivsten und wichtigsten Köpfe. Er erforscht aktuelle Themen der Festköpertheorie und des Quantentransports an der Schnittstelle der Quantenwelt und der klassischen Welt. Unter seiner Federführung soll ein Zentrum für theoretische Physik an der FU Berlin entstehen, das Dahlem Center for Complex Quantum Systems (Film als Flash oder Quicktime).
  • Georgi Dvali, Astrophysiker, forscht nun an der Ludwig Maximilians Universität München. Dvali gilt als einer der internationalen Topexperten der Teilchenforschung, der mit seinen Theorien zur Gravitationswechselwirkung in seinem Fach große Beachtung findet. Die Universität München will mit seiner Hilfe zu einem weltweit führenden Standort für kosmologische Teilchenforschung werden, der den Vergleich mit Princeton, Harvard oder Stanford nicht zu scheuen braucht (Film als Flash oder Quicktime).
  • Ulrike Gaul, Molekularbiologin, forscht nun an der Ludwig Maximilians Universität München. Ulrike Gaul ist eine der weltweit führenden und innovativsten Expertinnen für Systembiologie, einem in Deutschland bislang wenig etablierten Forschungsgebiet, das einzelne Gene oder Proteine nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang ihrer Wirkung im Körper erforscht. Gaul soll am Genzentrum München die Forschung zur Systembiologie auf internationales Topniveau bringen und durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen vernetzen (Film als Flash oder Quicktime).
  • Tamas L. Horvath, Neurobiologe, forscht nun am Institut für Genetik der Universität zu Köln. Tamas Horvath ist ein weltweit angesehener Experte auf dem Gebiet der Neuroendokrinologie und der Metabolismusforschung. Mit seinen Arbeiten soll er dazu beitragen, den Standort Köln zum international führenden Zentrum zur Erforschung der Biologie des Alterns und altersbedingter Krankheiten auszubauen. Hierzu ist die Zusammenarbeit mit dem neu in Köln angesiedelten Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns sowie mit dem für das im Aufbau befindlichen Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen der Helmholtz-Gemeinschaft vorgesehen (Film als Flash oder Quicktime).
  • Norbert Langer, Astrophysiker, forscht nun an der Universität Bonn. Norbert Langer gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der theoretischen Astrophysik. Er erforscht die Entwicklung massereicher Sterne bis hin zu ihrer Explosion als Supernovae. Mit seiner Expertise schließt er eine Lücke innerhalb der Bonner Astronomie und ergänzt so das vorhandene wissenschaftliche Portfolio (Film als Flash oder Quicktime).
  • Martin Bodo Plenio, Quantenoptiker, forscht nun an der Universität Ulm. Plenio ist international führend auf dem Gebiet der Quanteninformationstheorie und hat bahnbrechende Arbeiten zur Verschränkung zwischen Quantensystemen geleistet. In Ulm soll er maßgeblich zur Entstehung des geplanten Center for Quantum Engineering beitragen, an dem Mathematiker, Physiker und Elektroingenieure auf Augenhöhe mit der Spitze der internationalen Konkurrenz zusammenarbeiten sollen (Film als Flash oder Quicktime).
  • Burkhard Rost, Bioinformatiker, forscht nun an der Technischen Universität München. Burkhard Rost hat die Entstehung der Bioinformatik als heute unverzichtbare Disziplin maßgeblich mitgestaltet. Er soll seinem Fach in Deutschland neue Impulse und Schubkraft verleihen sowie eine Brücke schlagen zwischen den Biowissenschaften und der Medizin. Hierfür wird er in München eine Exzellenzforschergruppe aufbauen (Film als Flash oder Quicktime).

(anm)

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