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"I Am Mother": Mutter, Maschine, Monster

Im Kino: Nach der Apokalypse sollen Roboter den Bestand der Spezies Mensch sichern. Ob das so eine gute Idee ist?

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(Bild: Concorde Film)

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Der kleine Norman kann ein Lied davon singen: Mütter sind manchmal, nun ja, schwierig. Mit den Abgründen einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung befasst sich ein ganzes Sub-Genre des Horrorfilms. Der Hitchcock-Klassiker "Psycho" ist nur eins von vielen Beispielen: Neben Norma Bates markieren auch Mütter wie Nola Carveth oder Erica Sayers die diversen Spielarten der evil mom.

Der australische Budget-Thriller "I Am Mother" greift dieses klassische Horror-Motiv auf und bettet es in eine dystopische Science-Fiction-Geschichte ein. Mutter ist ein fürsorglicher Roboter, der in einer von der Außenwelt hermetisch abgeschlossenen Anlage eine menschliche Tochter großzieht – von der beschleunigten Entwicklung eines tiefgefrorenen Embryo in einer künstlichen Gebärmutter bis zur Pubertät kümmert sich Mother liebevoll, aber auch streng um den Nachwuchs.

Das geht gut, bis die Tochter beginnt, Fragen zu stellen. Was ist da draußen eigentlich passiert? Was ist, wenn die Lebensbedingungen da gar nicht so tödlich sind, wie Mutter behauptet? Warum ist sie alleine mit Mutter, während zigtausende Embryonen in den Kühltruhen auf ihre Aufzucht warten? Auf ihren Streifzügen durch den Bunker macht die Tochter zudem einige Entdeckungen, die die Saat des Zweifels aufgehen lassen.

Mutter hat auf alles eine Antwort, kann die wachsenden Zweifel ihrer Tochter – und des Publikums, das auch nicht mehr weiß – aber nicht ausräumen. Das bis dahin noch einigermaßen harmonische Verhältnis von Mutter und Tochter bekommt einen Knacks, als plötzlich eine Fremde vor der Tür steht – und der rebellische Teenager die Mutter hintergeht. Die Tochter muss sich nun zwischen zwei Mutterfiguren entscheiden, die beide nicht ganz aufrichtig zu ihr sind.

Das alles ist sehr schön anzuschauen, weil die Produktion trotz des beschränkten Budgets mit viel Liebe zum Detail ausgestattet ist. Maßgeblichen Anteil daran hat Weta Workshop, das von Peter Jackson gegründete neuseeländische Effektstudio ("Lord of the Rings"). Dass die kleine Produktion sich die Dienste von Weta Workshop sichern konnte, bezeichnet der Regisseur als "großen Coup".

I Am Mother (18 Bilder)

Das ist Mutter.
(Bild: Concorde Film)

Mutter ist nicht nur ein CGI-Geschöpf. "Ich wollte unbedingt einen 'echten' Roboter, aus vielerlei Gründen", erzählt Regisseur Grant Sputore. "Mutter sollte sich zweifelsfrei echt anfühlen, nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Schauspieler am Drehort. Außerdem, um ehrlich zu sein, habe ich in meiner Kindheit und Jugend am liebsten Filme angesehen, die ohne viel CGI auskamen. Filme wie Terminator, Predator, Robocop oder das Original von Jurrassic Park."

Das sind nur einige der Klassiker, von denen sich Drehbuchautor Michael Lloyd Green und Sputore inspirieren ließen. "I Am Mother" treibt sein Spiel mit den Erwartungen des geschulten SF-Publikums: Die Geschichte jongliert geschickt mit Versatzstücken bekannter Science-Fiction-Erzählungen und Horror-Klischees. Man kann das auch übertreiben – gegen Ende verliert der Film an Fahrt und der Zuschauer den Überblick.

Von allen möglichen Wendungen, die sich anbieten, entscheidet sich das Drehbuch schließlich für die einfachste und biegt auf konventionelles Horror-Terrain ab. Das ist umso bedauerlicher, weil sich "I Am Mother" so viel Mühe gegeben hat, anders zu sein. Der Verdacht drängt sich auf, dass den Autoren am Schluss schlicht die Ideen ausgegangen sind. Was bleibt, ist die Mahnung, dass Mensch es sich sehr gut überlegen sollte, ob er Algorithmen die Entscheidung über Leben und Tod anvertrauen will.

(Quelle: Concorde Movie Lounge)

"I Am Mother" (Australien, USA 2019). Regie: Grant Sputore. Drehbuch: Michael Lloyd Green. Kamera: Steve Annis. Laufzeit: 114 Minuten. Mit: Clara Rugaard (Tochter), Hilary Swank (die Fremde), Luke Hawker (Mutter), Rose Byrne (Mutters Stimme OF), Laura Maire (Mutters Stimme DF). Ab dem 22. August 2019 im Kino.
(vbr)