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IANA-Übergabe: ICANN sollte dem globalen Internet verpflichtet sein

Beim Treffen der europäischen IP-Adressverwaltung RIPE standen die Befugnisse der ICANN, die künftig nicht mehr unter Aufsicht der NTIA stehen wird, in der Diskussion. Kritiker forderten mehr Einfluss der Netzöffentlichkeit.

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Beim RIPE-Treffen wurde Kritik an den künftigen ICANN-Befugnissen laut.

(Bild: RIPE69)

Ein stärkere Bindung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) an den Willen einer breiteren Netzöffentlichkeit – das empfahl beim 69. Treffen der europäischen IP-Adressverwaltung RIPE deren neuer Vorsitzender Hans Petter Holen. Bei einer Debatte über das Ende der US-Aufsicht über die von der ICANN betriebene Internet Assigned Numbers Authority (IANA) sagte Holen, die bloße Rechenschaftspflicht der ICANN-Direktoren allein gegenüber dem Unternehmen sei ungenügend.

Die IP-Adressverwalter sind Mitgliedsorganisationen; Hauptamtliche und Vorstände sind folglich den Mitgliedergremien rechtenschaftspflichtig. Anders ist es bei der ICANN. Zwar werden die Vorstände teils von den Selbstverwaltungsgremien der Registries, Registrare und anderer Gruppen gewählt und sollen die von diesen entwickelten Regeln absegnen. Einmal gewählt sind sie aber satzungsgemäß allein dem Wohl des nicht gewinnorientiert arbeitenden Unternehmens verpflichtet. Die ICANN-Direktoren könnten künftig die Satzung also einfach ändern. Holen mahnte in London, solange es keine Mechanismen gibt, eine wild gewordene ICANN zu stoppen, bräuchten das RIPE und andere IANA-Kunden mindestens wasserdichte Verträge.

Ausgelöst worden sind die komplizierten Debatten der Selbstverwalter durch die Ankündigung der National Telecommunications and Information Administration (NTIA), sich im kommenden September aus ihrer Aufsichtsrolle in der Netzverwaltung zurückzuziehen. Für die IP-Adressverwaltungen und auch für die in der kommenden Woche über das Thema beratende Internet Engineering Task Force (IETF), die insbesondere ihre Protokollnummern-Datenbank von der IANA führen lässt, ist das Ende der US-Aufsicht recht unspektakulär. Die US-Regierung hat weder in die Vergabe von Protokollnummern noch von IP-Adressblöcken hineingeschaut. Änderungen in der Rootzone dagegen, dem Kernstück der Namensverwaltung der ICANN, gingen grundsätzlich über den Tisch der US-Behörde.

Weil es sich beim Domaingeschäft längst um ein Multi-Millionen-Dollar-Monopoly handelt, bei dem viele Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen, befürchten Beobacher, dass die Zeit zur Koordination der Vorschläge für die künftige IANA zu knapp bemessen ist. Schon im kommenden Juni sollen die Namens- und Nummernverwalter und die IETF der NTIA den abgestimmten Vorschlag übergeben. Es ist möglich, dass die RIRs und die IETF sich am Ende nicht aufhalten lassen und die "Unabhängigkeit" mit eigenen Verträgen mit der ICANN als Betreiber besiegeln. Noch unklar ist, ob die Adressverwaltungen es sich offenhalten werden, künftig ihre IANA-Aufgaben in der Zukunft neutral auszuschreiben. (ur)