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IANA als Hintertür für Einsprüche gegen neue Top Level Domains

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Für Kritik sorgte auf dem 41. Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Singapur eine von der US-Regierung geforderte Änderung im Vertrag über den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Die IANA, zuständig unter anderem für das technische Herzstück des Domain Name System, die Rootzone, soll künftig nach den Vorstellungen der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) neue generische TLDs (gTLD) vor der Eintragung noch einmal überprüfen. Der Chef des kanadischen Registrars Tucows, Elliot Noss, warnte, die geplante Klausel im IANA-Vertrag sei ein Versuch, eine "Hintertür für die Kontrolle" der DNS-Politik durch die Aufsicht führende US-Regierung, zu schaffen.

Laut der in einem Nachtrag (PDF-Datei) zur IANA-Konsultation enthaltenen Klausel muss der jeweilige IANA-Betreiber für neue Einträge in die Rootzone einen Konsens aller relevanten Interessengruppen dokumentieren und zeigen, dass die jeweilige neue gTLD im "weltweiten öffentlichen Interesse" ist. Der NTIA, die die Rooteinträge absegnen muss, bietet diese Auflage im Zweifel sogar eine Bremse für TLDs, für die sie auf fehlenden Konsens hinweisen kann. In jüngster Zeit hätte dies etwa den Rotlichtbezirk .xxx treffen können, gegen dessen Zulassung durch den ICANN-Vorstand allen voran die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, nach wie vor wettert. Mit der neuen Bremse hätte .xxx noch aufgehalten werden können.

Ähnliches würde die Klausel für die neuen TLDs bedeuten, für die ICANN Anfang der Woche den lange erwarteten Startschuss gab. Selbst wenn Bewerber alle Verfahrenshürden, einschließlich Frühwarn-Meldungen von Regierungen oder offizieller Einsprüche von jedermann, genommen haben, können sie von der NTIA ausgesperrt werden. Faktisch hätte die NTIA dies auch bislang schon tun können, mit der Klausel sichert sich die US-Behörde jedoch eine Möglichkeit, solche Stopps zu begründen.

Durch die Klausel könnten einzelne Regierungen über das Wohl und Wehe des DNS entscheiden, warnte der spanische Anwalt und .cat-Mitbegründer Amadeu Abril i Abril. Noss beschwor die Regierungen, sich gegen diese Hintertür zur Wehr zu setzen. ICANN-Experte Milton Mueller, Professor an der Syracuse Universität, nannte die neue Klausel extrem gefährlich. Sie untergrabe die Kompetenz des ICANN-Vorstandes und aller am politischen Selbstverwaltungsprozess der ICANN beteiligten Gremien. Antony van Couvering, CEO von Minds + Machines, meinte, die in der Selbstverwaltung geleistete Arbeit werde missachtet. Wenn man wolle, dass diese Arbeit in einer Selbstverwaltung übernommen werde, müsse man deren Ergebnisse auch respektieren und nicht am Ende die Regierungen, allen voran die US-Regierung über jede einzelne TLD entscheiden lassen. (anw)