IANA wird neu ausgeschrieben

Im November will das US-Handelsministerium den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority offen ausschreiben. Bewerben können sollen sich nur hundertprozentig US-amerikanische Firmen oder Institutionen

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Das US-Handelsministerium will im November den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) offen ausschreiben. Das kündigte das Ministerium Ende vergangener Woche über das Ausschreibungsportal der US-Behörden an. Die Aufgaben der IANA, zu denen unter anderem die Pflege der zentralen Datenbank für das DNS (DNS Root Zone File) gehört, wurde seit deren Gründung von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) übernommen, die am Montag zu ihrem 42. Treffen in Dakar zusammenkommt.

Das Handelsministeriums gibt vor, dass sich nur eine hundertprozentig US-amerikanische Firma oder Institution als IANA-Betreiber bewerben kann. Zudem muss zugesichert werden, dass "alle elementaren Funktionen und Systeme in den USA bleiben". Damit wird einer möglichen Internationalisierung des Betriebs der Rootzone vertraglich ein Riegel vorgeschoben.

Viele Schwellenländer fordern seit Jahren, die US-Aufsicht über die zentrale Rootzone aufzugeben. Sie beherbergt auch die autoritativen Einträge für die Nameserver der nationalen Länderadresszonen (ccTLDs) und künftige, neue Top-Level-Domains in aller Welt. In der vergangenen Woche hatten Indien, Brasilien und Südafrika ihre Forderung bekräftigt, die globale Netzverwaltung multilateral aufstellen. Auch in der EU gab es immer wieder Vorstöße für eine stärkere Internationalisierung. Die Bemühungen der EU-Kommission wurden allerdings von den Mitgliedsstaaten mehrfach gebremst. Das Unbehagen, dass eine einzige Regierung im Ernstfall ganze Adresszonen abschalten könnte, war trotz vieler guter Worte bislang jedoch einfach nicht aus der Welt zu schaffen.

Die unilaterale Aufsichtsrolle der USA über die zentrale Rootzone müsse sich weiterentwickeln, um internationalen Erwartungen zu entsprechen, sagte ICANN-Präsident Rod Beckstrom mit Blick auf die Konsultation des US-Handelsministeriums zum künftigen IANA-Vertrag. Er hoffe, dass der neue Vertrag auch erlauben werde, den Status von Änderungen in der Rootzone jederzeit transparent zu machen. ICANN muss sich um den neuen IANA-Vertrag aber erst einmal bewerben. Ob es anderer Bewerber geben wird, ist ungewiss.

Ex-ICANN-Mitarbeiter Kieren McCarthy, Chef des Beratungsunternehmens .next, wies in seinem Blog noch auf einen anderen, weniger attraktiven Aspekt der Ausschreibung hin: Der Betrieb von IANA, zu dem auch noch die Vergabe von IP-Adressblöcken, der Betrieb von .arpa und .int und die Betreuung der Registratur für Protokollnummern für die Internet Engineering Task Force gehören, darf die US-Regierung nichts kosten. Die ICANN zahlte dafür laut McCarthy im vergangenen Jahr 5,6 Millionen US-Dollar, die sie über Verträge mit Registries, Registraren, und IP-Adressverwaltern aufbrachte. (anw)