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IBM Connect 2017: Watson über alles

Es sollte ein großer Neuanfang für IBMs Traditionsveranstaltung, vormals als Lotusphere bekannt, werden. Der Umzug von Orlando nach San Francisco sollte neue Teilnehmer bringen, die sich für IBMs Cognitive-Initiative erwärmen. Der Neustart misslang.

IBM Connect 2017: Watson über alles

(Bild: heise online / Volker Weber )

Bei IBM heißt jetzt alles Watson. Aus dem Jeopardy gewinnenden Computer wurde eine Marke. In IBMs Kollaborationsbereich gibt es jetzt Watson Work und Watson Talent, alles wird "cognitive". Und Watson soll überall mitreden. Schon vor zwei Jahren versprach IBM mit Verse eine verständnisvolle elektronische Post. "Mail that understands you". Bis jetzt ist es eher ein Webmail-Interface für Domino-Server, seit Jahresanfang auch im eigenen Rechenzentrum und nicht nur IBMs Smartcloud. Nur das neue Kalenderdesign, das in der Cloud nach zwei Jahren einzog, hat es noch nicht in die installierbare Version geschafft.

Bei den Messaging-Plattformen, von Slack bis Hipchat bekannt, will IBM ebenfalls mitspielen. Watson Workspace soll das Produkt heißen. Seit einem halben Jahr ist es im Preview-Stadium. Wer einen Account hat, darf auch andere einladen. Kurz vor der Hausmesse Connect kamen neue Funktionen hinzu, die Workspace erstmals nutzbar machen. Eine formale Ankündigung blieb IBM in San Francisco schuldig, der Flurfunk spricht von der ersten Jahreshälfte, was IBM noch einmal vier Monate Zeit gibt. Watson Workspace soll überholen, ohne einzuholen. Den Funktionsumfang von Slack sowie dessen großes Ökosystem kann Workspace so schnell nicht aufholen. Dafür soll Watson mitreden, wichtiges über "Moments" hervorheben, um den Nutzer ins Bild zu setzen, wenn er mal eine Zeit lang nicht dem Chat gefolgt ist. Der Workspace nutzt dazu die Watson Work Services, die auch anderen Produkten zur Verfügung stehen.

Connections wird Pink

IBM Connections feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum mit der Version 6.0, die in den nächsten Wochen erscheinen sollen. Die Erweiterungen, etwa das neue "Orient Me", sind ein eher kleiner Wurf, der große folgt auf dem Fuße. Unter dem Projektnamen Pink entsteht eine völlig neue Architektur. Statt Websphere und DB2 wird Pink auf allem bauen, was aktuell in ist: Swift, React.js, MongoDB, Redis, Ngnx, Docker. Pink soll zunächst neue Funktionen bieten und dann Zug um Zug alte Komponenten ablösen. Wer die Microservice-Architektur erst einmal auf Docker laufen hat, kann sukzessive umsteigen, bis Websphere abgeschaltet werden kann.

Wichtig für IBM und die Kunden: Mit Pink läuft in der Cloud und im eigenen Rechenzentrum der identische Code. In hybriden Installationen wird der Kunde selbst festlegen können, welche Teile in der Cloud laufen und welche im eigenen Rechenzentrum. Pink ist ein für IBM ungewöhnlich mutiger Entwurf und die ersten Teillieferungen sollen noch dieses Jahr kommen. Wie lange Pink benötigt, das hergebrachte Connections komplett abzulösen, ist noch nicht erkennbar. IBM spricht von einer Reise, nicht einem Reiseziel.

Wenn Connections mit zehn Jahren einen Neustart benötigt, dann ist Notes mit annähernd 30 Jahren ein wahrer Methusalem. Auch wenn viele Mail-User längst zu Exchange und Office 365 abgewandert sind, halten sich die einmal ausgerollten Notes-Anwendungen hartnäckig. Es ist nicht so einfach, Notes-Anwendungen auf andere Plattformen zu migrieren oder sie mit vertretbarem Aufwand neu zu schreiben. Einen visionären Plan blieb IBM auch auf dieser Connect schuldig. Statt einer erwarteten Ankündigung zur Modernisierung von Notes-Anwendungen gab es nur Stückwerk. IBM lizenziert von Panagenda die ApplicationInsights und stellt sie Kunden mit aktiver Wartung kostenlos zur Verfügung. ApplicationInsights analysiert die eigenen Anwendungen und zeigt unter anderem, welche Anwendungen genutzt werden und wie komplex sie sind.

Notes bis mindestens 2021

Bereits im letzten Jahr hatte IBM angekündigt, Notes bis mindestens 2021 zu unterstützen. Und das ist nicht einmal das erwartete Ende. IBM darf einfach nicht mehr als fünf Jahre zusagen. Die Versionsnummer wird vermutlich bei 9.0.1 bleiben. Fehlerhebungen und Funktionserweiterungen werden zukünftig über Feature Packs ausgeliefert. Aktuell ist Feature Pack 7. Die nächste Version bringt unter anderem das überfällige Update auf Java 8. Man darf sich das wie ein altes Flugzeug vorstellen. Alte Teile werden sukzessive durch neue ersetzt. So lange die flexible Architektur hält, wird Notes weiterleben. Und natürlich, so lange jemand damit reisen will.

Wird es nochmal eine Connect in San Francisco geben? Daran darf gezweifelt werden. IBM hatte sich zum Ziel gesetzt, 4000 Teilnehmer zu versammeln. Der Neustart misslang. Neue Teilnehmer aus der Bay Area stellten sich kaum ein, viele Altbekannte blieben fern. Wie viele es tatsächlich inklusive IBMer und Gäste wurden, wissen wir nicht. Zur Eröffnungskeynote gab es jedenfalls circa 1500 Sitzplätze. Gründe für die Misere gibt es viele. San Francisco ist teuer, die Veranstaltung fiel in die beliebte Ferienwoche nach einem Feiertag und vor dem Karneval, der neue Präsident verdirbt die Reisefreude. Nicht zuletzt aber laufen die Geschäfte gerade nicht so gut. IBM hängt zwischen alter Software und neuen Verheißungen in einer Flaute. Watson muss es nun richten. (vowe)

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