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IBM-Power9-Workstation mit offener Firmware und Linux

Raptor Computing Systems Talos-II

Power9-Mainboard Talos-II von Raptor Computing Systems mit Librecore und OpenBMC.

(Bild: Raptor Computing Systems)

Die US-Firma Raptor nimmt Vorbestellungen für Server, Workstations und Mainboards mit Power9-Prozessoren und offener Firmware ab 2150 US-Dollar entgegen.

Die US-Firma Raptor Computing Sytems nimmt Vorbestellungen für das Power9-Mainboard Talos-II entgegen – sowie für komplette Workstations und Server, in denen dieses Board steckt. Raptor gehört aber nicht nur zu den ersten Firmen, die Power9-Hardware ankündigen, sondern verspricht als Besonderheit auch offene Firmware: Sowohl das "BIOS" des Mainboards als auch die Firmware des Aspeed-Fernwartungschips werden im Quelltext vorliegen.

Raptor-Chef Timothy Pearson[1] gehört zu den Entwicklern des Coreboot/Libreboot-Ablegers Librecore[2]; als Firmware für den Baseboard Management Controller (BMC) dient OpenBMC.

Das Talos-II kostet einzeln 2150 US-Dollar[3] bei Vorbestellung, die Auslieferung ist für das vierte Quartal geplant. Zuvor muss IBM aber erst einmal den Power9[4] offiziell vom Stapel lassen. Raptor offeriert eine Quad-Core-Version der Power9-Variante Sforza für 300 US-Dollar, nennt bisher aber weder Taktfrequenz noch Leistungsaufnahme/TDP.

Ein Paket aus Mainboard, CPU und Kühler gibt es für 2300 US-Dollar. Wer keinen SATA-Controller als PCIe-Steckkarte einbauen will, muss wohl weitere 300 US-Dollar für die Freischaltung des SAS-Hostadapters von Microsemi[5] zahlen: Der scheint auch die SATA-Ports zu bedienen.

Der Power9 unterstützt PCI Express 4.0[6]; das Talos-II besitzt fünf PCIe-Slots mit 16 oder 8 Lanes. Unklar ist, ob auf dem Talos-II auch OpenCAPI und NVLink[7] funktionieren.

Talos-II besitzt zwei Fassungen für Power9-Sforza-Prozessoren. Pro CPU stehen acht DIMM-Slots für DDR4-Speicherriegel bereit, die für Registered-ECC-Module ausgelegt sind. Schon mit einer CPU dürften mindestens 512 GByte Hauptspeicher möglich sein.

Raptor hatte schon 2016 die Power8-Workstation Talos mit quelloffener Firmware geplant[8]; die Schwarmfinanzierung via Crowdsupply scheiterte aber deutlich: nur 14 Prozent der veranschlagten 3,7 Millionen US-Dollar kamen zusammen. Im Januar 2017 schrieb Raptor-Chef Pearson, seine Firma werde sich anderen Projekten zuwenden[9]. Nun hat er offenbar seine Meinung geändert und hofft, genügend Vorbestellungen sammeln zu können.

Power9-Systeme sollen auch von mehreren anderen Herstellern kommen, vor allem selbstverständlich von IBM. Mit dem Power9 öffnet IBM die Entwicklung weiter für andere Firmen im Rahmen der OpenPOWER-Inititiative. Viele der Informationen auf dem "IBM-Portal for OpenPOWER"[10] sind aber nur mit Non-Disclosure Agreement (NDA) zugänglich. (ciw[11])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3798402

Links in diesem Artikel:
[1] https://github.com/madscientist159?tab=repositories
[2] https://github.com/librecore-org/librecore-org.github.io
[3] https://secure.raptorcs.com/content/TL2MB1/purchase.html
[4] https://www.heise.de/meldung/OpenPOWER-Summit-POWER9-Pascal-FPGAs-und-Open-Compute-3164345.html
[5] https://www.microsemi.com/products/storage/sas-sata-i-o-controllers/sas-sata-i-o-controllers
[6] https://www.heise.de/meldung/IBM-Power9-soll-bei-PCI-Express-4-0-in-Fuehrung-gehen-3715106.html
[7] https://www.heise.de/meldung/OpenCAPI-Kohaerenter-Interconnect-fuer-Hardware-Beschleuniger-3350538.html
[8] https://www.heise.de/meldung/POWER8-Workstation-mit-offener-Firmware-und-Linux-3219579.html
[9] https://www.crowdsupply.com/raptor-computing-systems/talos-secure-workstation/updates/the-state-of-owner-controlled-computing-as-talos-winds-down
[10] https://www-355.ibm.com/systems/power/openpower/tgcmDocumentRepository.xhtml?aliasId=POWER9_Sforza
[11] mailto:ciw@ct.de