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IBM baut Linux-Engagement weiter aus

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Mit OS/2 hatte es IBM ziemlich schwer, Entwickler anzulocken. Bei Java war das schon einfacher, erforderte aber dennoch ein gerütteltes Maß "Evangelisierung". Mit Linux aber sieht sich IBM offensichtlich zum ersten Mal in der Situation, dass die Entwickler von ganz alleine kommen und verhält sich entsprechend enthusiastisch. Mit einer Flut von Ankündigungen auf der Konferenz IBM Solutions in Las Vegas will sich das Unternehmen im Linux-Markt besser ausrichten.

Plattformen

IBM möchte Linux auf allen Serverfamilien von Netfinity über RS/6000 und Numa-Q bis S/390 anbieten. Dabei sind drei verschiedene Formen der Unterstützung geplant:

  • Linux als Basisbetriebssystem etwa auf Netfinity.
  • Linux-APIs und -Schnittstellen etwa in AIX 5L (L wie Linux)
  • Linux als Image etwa auf NumaQ oder S/390

Laut Irving Wladawsky-Berger, bei IBM für das gesamte Linux-Geschäft verantwortlich, ist es durchaus vorstellbar, dass Linux einmal als das Basisbetriebssystem für all diese Systeme fungiert, sofern es über die dafür notwendige Funktionen verfügt.

Hardware

In diesem Sinne baut IBM die Hardware-Unterstützung der eigenen Server-Familien aus. Für die Netfinity-Server wird beispielsweise die so genannte X-Archtitecture, die einen unterbrechungsfreien Betrieb beim Austausch von Hardwarekomponenten anstrebt, auch unter Linux unterstützt. IBM nennt diese Initiative "On Forever". Das Angebot soll den Netfinity IT Director für Linux sowie eine Unterstützung von Hotplug-PCI, Hotplug Memory und den Service-Prozessor einschließen.

Während einige Server-Modelle schon geraume Zeit wahlweise mit Linux als Betriebssystem angeboten werden, offeriert IBM nun auch auf Thinkpad-Laptops und Netvista-Desktop-Rechnern Linux an. Für das vierte Quartal kündigt IBM einen Netvista Thin Client auf Basis von TurboLinux 6.1 an, der das Betriebssystem aus dem lokalem Flash-Memory lädt. Thinkpads der Serien A20m und T20 werden ab sofort wahlweise mit Caldera Open Linux eDesktop 2.4 vorinstalliert geliefert. Video-, Audio- und Modemtreiber sind dabei vorinstalliert. Während andere Thinkpad-Modelle noch mit Win-Modems ausgestattet waren, haben die neuen Geräte eine Mini-PCI-Karte, die wahlweise Modem und Ethernet vollständig in Hardware unterstützen und sich damit besser unter Linux verwenden lassen.

Software

Das Angebot an Software-Lösungen für Linux wird bei IBM langsam etwas unübersichtlich. Als Konsequenz bietet IBM jetzt einige Bundles an. In einem Small Business Pack fasst IBM den Websphere Application Server, den Domino Application Server und die Datenbank DB2 UDB in einem auf hundert Anwender limitierten Paket für gerade einmal knapp 500 US-Dollar zusammen. Damit dieses Promotions-Angebot nicht den Markt unterhöhlt, ist es auf ein Paket pro Unternehmen (genauer: pro IBM-Kundennummer) begrenzt.

Mit Red Hat geht IBM eine enge Zusammenarbeit ein, die jedoch keineswegs exklusiv bleiben soll. Auch mit den anderen Distributionsanbietern strebt der Konzern entsprechende Vereinbarungen an. Red Hat wird ab 1. September die eigene Linux-Distribution und Dienstleistungen rund um Linux zukünftig mit IBM-Software gebündelt anbieten. Umgekehrt nimmt IBM die Red-Hat-Distribution in das eigenen Angebot auf. Die beiden Unternehmen erschließen sich damit gegenseitig ihren Kundenkreis.

Neben vielen größeren Ankündigungen hat IBM auch eine ganze Reihe kleinerer Neuigkeiten rund um Linux zu bieten. So wurde beispielsweise die seit letztem Oktober unter Windows verfügbare Entwicklungsumgebung Sash für Linux als Open Source neu implementiert und soll als SashXB über Gnome.org angeboten werden. Die Software wurde von einem Team von Praktikanten geschrieben, die IBM im so genannten Extreme-Blue-Programm fördert (und fordert). (Volker Weber) (jk)

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