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IBM beerdigt Watson Workspace

Mit Watsons Hilfe wollte IBM eine Cloud-Software für Enterprise Chat etablieren. Mangels Kundeninteresse folgt jetzt das Aus.

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IBM beerdigt Watson Workspace

(Bild: Volker Weber )

Bei den Enterprise Messenger wird die Luft dünn. Cisco hat mit Spark größere Ambitionen, Slack will an die Börse, Microsoft drückt Teams in den Markt der Kunden mit Office 365, Salesforce hat Chatter. Aber Atlassian hat Hipchat und Stride mittlerweile aufgegeben. Und jetzt zieht IBM den Stecker bei Watson Workspace.

Vor drei Jahren kündigte IBM das Project Toscana an und demonstrierte auf offener Bühne eine Software, die nur auf PowerPoint lief. Im Oktober 2016 öffnete IBM eine Vorabversion, die man nur mit persönlicher Einladung nutzen konnte. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur ganz rudimentäre Chatfunktionen, die weit hinter dem zurücklagen, was Anfang des Jahres versprochen und gezeigt wurde. Es sollte beinahe ein weiteres Jahr dauern, bis IBM im September 2017 die Einladung abschaffte und die Tür zur Selbstregistrierung öffnete. Immerhin war Watson Workspace Essentials kostenlos zu nutzen.

Watson Workspace

(Bild: Volker Weber )

Watson Workspace kam so langsam voran, weil IBM zunächst Services entwickelte, mit denen Watson einen Chat-Kanal analysierte. Ein selbstgestecktes Ziel war, dem Anwender eine Zusammenfassung der Konversation, die in seiner Abwesenheit gelaufen war, anzubieten. Die eigentliche Chat-Anwendung galt den Entwicklern als bloße Fingerübung.

Während IBM an Watson Workspace bastelte, brachte Microsoft Teams an den Start und verschenkte es an bestehende Kunden von Office 365. Damit war das Schicksal von Watson Workspace eigentlich schon besiegelt. IBM hatte es nicht einmal geschafft, den Service von AWS in die IBM Cloud zu portieren.

Im März letzten Jahres kündigte IBM dann das kostenpflichtige Watson Workspace Plus an, das um Video-Meetings von Zoom erweitert wurde. Gerade einmal sieben Monate später mehrten sich die Gerüchte, dass IBM-Verkäufer das Produkt nicht mehr den Kunden andienen sollten. Nach Jahren der Entwicklung und nur kurzer Marktpräsenz passte Watson Workspace nicht mehr ins Portfolio. IBM hatte mittlerweile die Entwicklung der anderen Kollaborations-Lösungen wie IBM (Lotus) Notes/Domino, Connections und Portal an HCL Technologies ausgelagert, um sich schließlich dieser Produkte ganz zu entledigen. HCL aber hatte kein Interesse an einem Chat-Produkt ohne Kunden.

Heute kündigt IBM das Produkt nun offiziell ab und wird den wenigen Kunden eine Möglichkeit anbieten, bestehende Chats herunterzuladen. Gleichzeitig verschwindet der IFTTT-Support. Am 28. Februar sollen alle Watson Workspace Services endgültig abgeschaltet werden. IBM versenkt damit eine Millionen-Investition, die vielleicht besser in die Pflege von Domino und Connections geflossen wäre. (vowe)

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