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IBM kündigt neue Client-Technologie an

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IBM hat nun Details zur neuen Client-Architektur bekannt gegeben. Mit einer groß angelegten Ankündigung stellt das Unternehmen eine neue Client-Technologie vor, die Anwendungen und Daten servergesteuert auf einer Vielzahl von Client-Plattformen bereitstellen soll. IBM will eine Brücke von einfach zu verwaltenden Web-Anwendungen zu leistungsfähigen Clients schlagen und die Vorteile beider Modelle miteinander verbinden.

Die Architektur ruht auf zwei Säulen: einer Client-Plattform, die auf dem Eclipse Framework basiert, sowie einer Middleware aus allen Bereichen der IBM Softwaregroup mit WebSphere Portal als führendem System. Das IBM-Marketing hat es wieder einmal geschafft, durch ähnliche Begriffe eine gehörige Verwirrung zu stiften. So nennt man das umfassende System IBM Workplace, nennt aber als eine der Komponenten Lotus Workplace. Auch Lotus Notes & Domino werden unter IBM Workplace subsummiert, obwohl sie mit der heute vorgestellten Technologie überhaupt nichts gemein haben. WebSphere Everyplace schließlich, das als vierte Komponente aufgezählt wird, enthält mehre Techniken, von denen eine als IBM Workplace Client Micro Edition mit der Abkürzung WCTME genannt wird, immerhin in der ausgewachsen klingenden Version 5.7.

Was ist also was? Lotus Workplace ist eine Familie von Produkten, die alle technisch auf WebSphere Portal basieren, und um verschiedenste Komponenten angereichert sind. So gibt es derzeit Lotus Workplace Messaging 1.1, von dem heute ein Nachfolger mit der Version 2.0 angekündigt wurde. Dabei handelt es sich um einen Mailserver auf J2EE Basis mit WebSphere Application Server und DB2 als Datenbasis. Neu angekündigt wurde auch ein Dokumentenmanagement mit dem Namen Lotus Workplace Documents. Beide Produkte sollen den eingangs erwähnten Workplace Client enthalten. Als Client-Plattformen werden derzeit Windows und Linux unterstützt, eine Mac-Version ist für einen späteren Zeitpunkt avisiert.

Der Workplace Client ist keineswegs den Lotus-Produkten vorbehalten und trägt folgerichtig deshalb auch nicht diese Marke. Die Software Group will ihn vielmehr über das gesamte Portfolio verwenden. Viele Eigenschaften, die den Notes-Client erfolgreich gemacht haben, wird man auch beim Workplace Client finden. So wird er etwa Anwendungen und lokale Datenbestände verschlüsselt ablegen und mit dem Server abgleichen können. In der Notes-Terminologie wird dieser Vorgang Replikation genannt. Anwendungsentwickler können einen Workplace Builder nutzen, um eigenen Anwendungen für diese Plattform zu entwickeln. Wie bei Notes spricht man hier von Templates.

Auf der Lotusphere versprach IBM, dass der Workplace Client in nicht zu ferner Zukunft auch bestehende Notes-Anwendungen ausführen können soll. Das wird sicherlich eine Herausforderung, basiert doch die aktuelle Version auf einem lokalen Java Application Server und einer relationalen Datenbank auf der Basis von Cloudscape. Die anderen Produkte der Lotus-Workplace-Familie, insbesondere Team Collaboration und Collaborative Learning müssen vorerst noch ohne den Workplace Client auskommen. Das unter der gleichen Marke subsummierte Web Content Management, ein umfirmiertes Produkt der aufgekauften Aptrix, ruht ohnehin auf anderen technischen Komponenten.

IBM Workplace kann als direkter Angriff auf Microsofts Office-Dominanz gesehen werden. Der Client von Workplace Documents enthält beispielsweise eigene Editoren für Texte, Tabellenkalkulationen und Präsentationen. IBM schafft hier eine vollständig zentral über Policies administrierbare Infrastruktur, die auch mit komplexen Dokumenten umgehen kann. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie viele Kunden sich auf diese neue Architektur einlassen. IBM startet deshalb eine Tour, um das erklärungsbedürftige Portfolio näher zum Anwender zu bringen. (Volker Weber) / (anw)

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