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IBM nutzte Flickr-Fotos für Gesichtserkennung, ohne Nutzer zu informieren

IBM hat fast eine Million Fotos von Flickr verwendet, um eine Gesichtserkennung zu trainieren. Die betroffenen Nutzer hatten dem jedoch nie explizit zugestimmt.

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IBM trainierte eine Gesichtserkennung mit Flickr-Fotos – das sorgt nun für Kritik.

(Bild: dpa, Franziska Kraufmann)

IBM hat offenbar für ein Gesichtserkennungsprojekt Fotos von Flickr verwendet. Das Problem: Die Nutzer der Bilderplattform hatten dazu keine Einwilligung gegeben. IBM soll rund eine Million Fotos aus einem Datensatz verwendet haben, den der ehemalige Flickr-Besitzer Yahoo zusammengestellt hatte. Die Auswahl ist Teil einer Sammlung von insgesamt 99,2 Millionen Fotos, bekannt als YFCC100M. Viele der abgebildeten Personen waren sich nicht bewusst, wie ihre Daten genutzt wurden, berichtet NBC News. Die von IBM verwendeten Bilder standen unter der Creative-Commons-Lizenz. Heißt in der Regel, dass die Fotos mit nur wenigen Einschränkungen verwendet werden können.

In einem Statement erklärte IBM, dass das Unternehmen große Sorgfalt verwendet habe, um Datenschutzgrundsätze einzuhalten. "Wir nehmen die Privatsphäre der Menschen sehr ernst", erklärte ein Firmensprecher. Nur ausgesuchte Forscher hätten die Bilder einsehen können. Das seien zudem nur Fotos gewesen, die öffentlich zugänglich waren.

Kritiker sehen jedoch eine Verletzung der Privatsphäre, die durchaus eine "große Bedeutung" habe. Die britische Nichtregierungsorganisation Privacy International (PI) findet, dass IBM die Bilder nicht ohne konkrete Einwilligung hätte nutzen dürfen. Die Flickr-Regeln besagen zudem: "Don't be creepy", sei nicht unheimlich. "Leider ist IBM weit darüber hinaus gegangen", so PI.

Gegenüber der NBC erklärte ein Fotograf: "Keiner der Leute, die ich fotografiert habe, hatten eine Ahnung, dass ihre Bilder auf diese Weise verwendet wurden." Die IBM-Forscher erläutern ihre Arbeit in einem Paper, das online als PDF verfügbar ist. Die Fotos sollten helfen, neuronale Netze zu trainieren, damit sie Gesichter immer besser voneinander unterscheiden können. Große Datensätze, wie der von Flickr, sind für ein solches Training von großer Bedeutung. Außer Yahoo/Flickr stellen auch andere Firmen solche Datensätze für die Forschung bereit; ungewöhnlich ist dies nicht. (dbe)