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IBM verklagt Hersteller von Mainframe-Clones

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Recht unwirsch reagiert IBM auf den von ehemaligen Amdahl-Mitarbeitern entwickelten Open Mainframe Computer auf Basis des Itanium 2. Das Startup Platform Solutions Inc. (PSI) hat es nämlich geschafft, das Itanium-System (mit bis zu 128 Prozessoren) voll kompatibel zu IBMs Mainframe-Betriebssystemen z/OS and OS/390 zu bekommen. Dank Virtualisierung können daneben gleichzeitig auch andere Itanium-Betriebssysteme wie VSE, UNIX, Windows und Linux laufen. Die Emulation ihrer Betriebssysteme auf Fremdhardware will sich IBM aber nicht gefallen lassen, sondern sieht darin eine Patentverletzung. Und so erhob IBM vorige Woche Klage vor dem U.S. District Court in New York.

Die rechtliche Keule schwingt Patentweltmeister Big Blue offenbar seit einiger Zeit wieder stärker, so wurde Ende Oktober auch Amazon.com verklagt: Amazons Online-Verkaufstechnik verstoße gegen eine Anzahl von IBM E-Commerce-Patenten. Früher konnte die Amdahl Corporation IBM-Mainframe-kompatible 32-Bit-Systeme für das Betriebssystem z/OS 1.5 herstellen und IBM mit weit preiswerterer Hardware große Marktanteile abknapsen. Big Blue musste das hinnehmen, da dieser Wettbewerb als ein Bestandteil eines Antitrust-Abkommens mit dem US-Justizministerium abgesegnet war.

Die Amdahl Corporation wurde dann 1997 von Fujitsu IT übernommen, die dann jedoch keine Anstalten machte, auf die inzwischen aktuellen 64 Bit aufzurüsten. Viele Mitarbeiter verließen daraufhin Fujitsu und gründeten das Startup PSI. Und niemand anders als der legendäre Dr. Gene Amdahl höchstselbst, der "Vater" der ebenso legendären IBM 709, IBM 7030 und schließlich IBM 360. gehört zu dessen Advisory Committee.

IBMs Klage gegen eine Emulation ihres Betriebssystems dürfte sich wohl auch die Rechtsabteilung in Suns Headquarters in Santa Clara genau anschauen. Hatte doch Nachbar Intel in Gestalt von Pat Gelsinger, Leiter der Business-Abteilung, auf dem letzten Developer Forum die Emulation eines SPARC-Systems auf Itanium vorgeführt. Diese Emulation führte unmodifizierten SPARC-Solaris-Code aus, wobei Gelsinger stolz vermerkte: "Ladies und Gentlemen, sie sehen hier und heute die Itanium-Plattform als schnellste SPARC-Maschine der Welt." (as)