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ICANN: Auf dem Weg zu einem neuen Whois

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Auf technische Lösungen für ein neues Whois, beispielsweise Crisp, muss das Internet noch warten. Mit nicht-englischen Domains stehen dem alten Port 43 dazu noch einige Schwierigkeiten bevor. Schon jetzt wollen verschiedene Registrare und Registries den bislang offenen Whois-Zugang einschränken. Die beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) im tunesischen Karthago diskutierten Lösungen reichen bis zur rein kommerziellen Vermarktung von Whois-Daten, um anonymen Zugang und damit verbundene Missbrauchsgefahr zu verhindern.

Verschiedene Registrare arbeiteten derzeit an einer Lösung, nach der nur noch per Whitelist identifizierte Nutzer den vollen Zugang zu Whois-Daten erhalten sollten. Als Kandidaten für den privilegierten Zugang nannte Elana Broitman von Register.com Registrars, Registries und "andere anspruchsberechtigten Nutzer, zum Beispiel die Strafverfolgungsbehörden und Markenrechtsvertreter".

Hakon Haugnes von der .name-Registry schlägt Kostenpflichtigkeit als Selektionsmöglichkeit vor. Dadurch ließen sich die Whois-Nutzer identifizieren, sagte Haugness. Zur Begründung präsentierte er einen Fall, in dem ein Spamgegner nach unter seinem Namen versandten Spam zur Zielscheibe von Hassbriefen, Anrufen und sogar persönlichen Angriffen wurde. "ICANN muss uns erlauben, die Datenschutzbestimmungen in einzelnen Ländern einzuhalten", sagte Haugness.

Datenschutzbestimmungen in der EU stehen teilweise in krassem Gegensatz zu ICANNs vertraglichen Anforderungen. Ein Vertreter der EU-Kommission mahnte dazu erneut, die Bestimmungen des Bulk-Access zu ändern, die Registraren den Verkauf ihrer gesamten Domainkundendaten zur Auflage machen.

Befürworter eines besseren Datenschutzes sind ebenfalls klar für Einschränkungen der offen zugänglichen Daten von Privatnutzern und Unternehmen. Allerdings stehen sie gerade auch nicht qualifizierten Privilegien für Strafverfolgung und Markenschützer höchst kritisch gegenüber. Im Gegenteil wies Kathy Kleiman, Mitbegründerin der Domain Name Rights Coalition, in der heutigen Whois-Debatte darauf hin, dass die aus technischen Gründen notwendige Erreichbarkeit auch über Registrar und Registry realisiert werden kann.

Sowohl das Electronic Privacy Center als auch ICANNs Rumpf-Nutzervertretung ALAC haben sich mit der dringenden Aufforderung an ICANN gewandt, endlich mit dem Datenschutz ernst zu machen. Bislang habe sich die Organisation vor allem darauf gestürzt, Registrare auf die Korrektheit der Whois-Einträge festzunageln. Ein Mal pro Jahr müssen Registrare in Zukunft ihre Nutzer zur Korrektur ihrer Whois-Einträge auffordern. Vorerst seien inakkurate Whois-Einträge immerhin die einzige Möglichkeit für Nutzer, ihre Privatadresse zu schützen, warnen die Nutzervertreter.

ICANNs Präsident Paul Twomey sagte, die Organisation müsse so schnell wie möglich zu praktischen Lösungen des Whois-Problems kommen. "Um effektiv zu sein, müssen wir das Holz auch hacken." Gleich drei Arbeitsgruppen der GNSO (des für Top Level Domains zuständigen ICANN-Gremiums) arbeiten an den aktuellen Modellen, ebenso wie eine Arbeitsgruppe des ICANN-Regierungsbeirates und ein von Twomey eingesetztes Komitee. (Monika Ermert) / (anw)