ICANN-Führungsriege wird durcheinander gewirbelt

Die Organisation mit der Oberaufsicht über das DNS im Internet muss in einer Phase, in der sie eine Neustrukturierung diskutiert, einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten suchen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 6 Beiträge
Von

Für das Jahr 2003 muss sich die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Internet-Verwaltung und Aufsichtsgremium für das DNS, einen neuen Präsidenten und CEO suchen. Stuart Lynn, der seit dem Mai 2001 das Amt wahrnimmt, will nach eigenen Angaben seinem "eigenen Leben und der Gesundheit mehr Aufmerksamkeit schenken". Zum März 2003 will Lynn seine jetzige Position bei ICANN endgültig aufgeben.

Gleichzeit gab Andrew McLaughlin, bislang Vizepräsident und für alle politischen Angelegenheiten bei ICANN zuständig, bekannt, dass er von seinen Posten zum 1. Juli 2002 zurücktritt. Der ICANN bleibt McLaughlin, der an das Berkman Center for Internet & Society der Harvard Law School zurückkehrt, als Halbtagskraft erhalten, um einen sanften Übergang zu einem neuen Verantwortlichen zu ermöglichen.

Die Ankündigungen kommen in einer extrem schwierigen Phase für die ICANN: Die Organisation ist aus der Politik wie von interessierten Internet-Usern unter Beschuss, die mit der bisherigen Arbeit der Internet-Verwaltung und den eher byzantinischen Organisations- und Entscheidungsstrukturen keineswegs zufrieden sind. Die Organisation hatte erst vor kurzem die Schlacht um eine Neuorganisation eröffnet: Die Mission der ICANN, die Strukturen und die Entscheidungsverfahren stehen auf dem Prüfstand.

Der scheidende Präsident Lynn hatte diese Debatte mit ausgelöst, als er in einem Diskussionspapier eingestand, dass die Organisation die ihr übertragenen Aufgaben aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht erfüllen könne. Seine Forderung aber nach einer stärkeren Regierungsbeteiligung und einer endgültigen Abschaffung der Wahlen zum ICANN-Direktorium durch Internet-Nutzer stieß ebenfalls auf heftige Kritik.

Vint Cerf, Chairman of the Board bei der ICANN, zeigte sich "verständlicherweise enttäuscht" von der Entscheidung der beiden ICANN-Oberen, äußerte aber Verständis für ihre Gründe. Cerf kündigte, ganz nach üblicher ICANN-Vorgehensweise, die Bildung eines Komitees an: Es soll nach einem Nachfolger für Lynn suchen. (jk)