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ICANN-Regierungsbeirat debattiert über Whois-Datenschutz und neue Domains

Der Regierungsbeirat (Government Advisory Committee, GAC) der Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) arbeitet an zwei Grundsatzpapieren zur Einführung neuer Internetadresszonen und zum Dauerbrenner-Thema "Veröffentlichung von Domaininhaber-Daten" im Whois-Verzeichnis. Im Whois werden Informationen zu den Domaininhabern, den Ansprechpartnern und den zuständigen Technikadministratoren festgehalten. Der Streit darum, wie viel Information in der Whois-Datenbank eines Domainregistrars stehen soll, tobt nun schon einige Zeit, ohne dass bislang wirklich eine Lösung in Sicht wäre.

Auf dem offiziell heute startenden Treffen der Netzverwaltung in Marrakesch betonte Susanne Sene, US-Vertreterin im ICANN-Regierungsbeirat, dass die Richtigkeit der Einträge im Whois das wichtigste Thema seien. Aus Sicht anderer GAC-Mitglieder, vor allem auch der EU, ist allerdings eine datenschutzfreundliche Regelung besonders von Bedeutung. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir zum Ende des Jahres einen endgültigen Text zum Thema Whois haben", sagte Sene.

Noch nicht so weit sei man dagegen beim Thema "neue Adresszonen" (Top Level Domains, TLDs), meinte die US-Offizielle. "Wir sind übereingekommen, dass wir im Dezember einen Entwurf zu neuen TLDs haben werden. Was wir bislang dazu erarbeitet haben, kann nicht als stabiler Text betrachtet werden." ICANNs Regierungsbeirat soll laut der Satzung der privaten Netzverwaltung grundsätzlich zu Fragen der Vereinbarkeit der von ICANN entwickelten Regeln für das DNS mit nationalen Gesetzen und internationalen Abkommen konsultiert werden. Zudem hat das GAC Einfluss auf alle Fragen, die ein öffentliches Interesse berühren.

Bruce Tonkin, Chef der bei ICANN vertretenen Interessengruppen für den Bereich der generischen TLDs (GNSO), sagte: "Verweise auf bestehende nationale Gesetze wären hilfreich; und je präziser sie sind, desto besser für uns." Welche Fragen jeweils im "öffentlichen Interesse" liegen, sei nämlich alles andere als klar. Aus Sicht von Tonkin und anderen GNSO-Mitgliedern sollten daher auch nicht erst die endgültigen Empfehlungen der Regierungen veröffentlicht werden. "Wir bräuchten ein Minimum an direktem Austausch schon während der Verfahren", sagte auch Marilyn Cade, ein Mitglied der Whois-Arbeitsgruppe der GNSO. Die Whois-Arbeitsgruppe will nach mehrjährigen Debatten die Regelungen für Einträge ins Whois nun endgültig abschließen und fürchtet wohl durchaus Überraschungen in letzter Minute vonseiten der Regierungen. Paradebeispiel für eine solch späte Intervention ist der Fall der Erotik-Adresszone .xxx. Diese war zuletzt am Widerstand der Regierungen, allen voran der USA, gescheitert, nachdem ICANN bereits in abschließenden Vertragsverhandlungen war.

Senes Ankündigung zur noch ungewissen Entscheidung des GAC über die Einführung neuer TLDs löste daher auch Besorgnis bei den potenziellen Anwärtern neuer Adresszonen aus, etwa den hoffnungsvollen Betreibern der geplanten Städtedomain dot.berlin. Wenn die Regierungen nicht rasch ihre Empfehlungen zu Auswahlverfahren für neue TLDs und mögliche Blocklisten für landesbezogene Begriffe machen, würde die GNSO mit dem Ziel scheitern, einen endgültigen Entscheid durch die ICANN-Direktoren im Dezember herbeizuführen und damit den Weg für neue TLDs im kommenden Jahr frei zu machen.

Größtes Problem aus Sicht des Regierungsbeirates ist der Umstand, dass die Delegierten mit der Äußerung von Vorüberlegungen vorsichtig sein müssen, bis ein endgültiger Beschluss gefasst und auch mit der jeweiligen Regierungsbehörde daheim abgestimmt ist. Der lettische Diplomat Janis Karklins sagte: "Wir arbeiten daran, wie wir den Prozess effektiver gestalten können, und wir sprechen auch mit dem ICANN-Vorstand, wie das GAC in einem frühen Stadium konsultiert werden kann." Eine Ausweitung des Mandats des am 1. Juli von der EU an Indien übergehenden GAC-Sekretariats haben die GAC-Mitglieder allerdings abgelehnt. Ein erster indischer Vorschlag hatte vorgesehen, dass die Regierungen eigene Studien in Auftrag geben, um besser auf anstehende Entscheidungen vorbereitet zu sein. Dafür gab es aber kein grünes Licht, vor allem wohl aus finanziellen Gründen. Für den Regierungsbeirat wird es damit allerdings nicht leichter, der Forderung nach rascheren Beschlüssen nachzukommen, zumal neben den neuen TLDs und dem Whois auch weitere komplizierte Themen auf dem Programm stehen, darunter etwa die Einführung komplett nicht-englischer Adresszonen und Regeln für die Vertragsgestaltung mit Registries. Das ICANN-Treffen in Marrakesch geht noch bis Freitag. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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