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ICANN-Tagung: Experten fordern von den USA unabhängige IANA

Internet Assigned Numbers Authority wird aus ihrem Vertrag mit der US-Regierung entlassen. Auf dem 52. Treffen der Internetverwaltung ICANN in Singapur wird davor gewarnt, die Übergabe zu verschleppen.

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ICANN-Tagung: Experten fordern von den USA unabhängige IANA

Ihre 52. Tagung hält die Internetverwaltung ICANN derzeit in Singapur ab

(Bild: gov.sg)

Die Entlassung der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) aus ihrem Vertrag mit der US-Regierung hat begonnen. Hauptstreitpunkt bleibt, ob es auch künftig eine externe Aufsicht geben muss, um die für das System der Domainnamen zentrale Aufgabe neu zu vergeben. Es gibt viel Widerstand dagegen, dass die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sie übernimmt. Die ICANN-Spitze warnte derweil auf dem Treffen in Singapur davor, die Übergabe zu verschleppen. Im bevorstehenden US-Wahlkampf könnte sich die Gelegenheit zur Internationalisierung der IANA-Aufsicht wieder in Luft auflösen.

ICANN, IANA & Co.: Die Verwaltung des Internets

Diverse Organisationen sind für die Verwaltung des Internets zuständig - die ICANN und die ihr zugeordnete IANA etwa verwalten die weltweiten IP-Adressen und die DNS-Rootzone, die IETF ist für die Protokollstandards verantwortlich. Bis vor kurzem noch bedingte sich die USA die letzte Entscheidungsgewalt aus.

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Der ehemalige Clinton-Berater Ira Magaziner, der als Kopf der Gründung der privaten Domainverwaltung ICANN galt, versicherte, die Aufsicht durch den US-Telekomregulierer National Telecommunications and Information Administration (NTIA) sei eigentlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen. Das passt zwar nicht zu den in den vergangenen Jahren ausgetragenen diplomatischen Kämpfen um eine Internationalisierung der Aufsicht. Magaziner unterstützte aber klar den Aufruf, die sich jetzt bietende Gelegenheit zur Übernahme der IANA nicht verstreichen zu lassen. Am 30. September läuft der aktuelle IANA-Vertrag zwischen NTIA und ICANN aus.

Voll im Plan des Übergabeprozesses liegen die anderen "IANA-Kunden", die regionalen IP-Adressverwalter und die Internet Engineering Task Force (IETF). Für die IP-Adressverwalter (RIRs) hält die IANA die globale IP-Adress-Datenbank. Für die IETF führt sie die Registry für Protokollnummern, mit denen Protokolle eindeutig identifiziert werden können. IETF und RIRs setzen schlicht auf eine Vertragslösung mit dem IANA-Betreiber. Sollte die ICANN aus dem Ruder laufen, sei auch ein anderer Betreiber denkbar.

Aufgehalten wird der endgültige Vorschlag für das künftige Modell durch die Arbeitsgruppen der ICANN, die den Vorschlag für den Bereich Domainnamen entwerfen sollen. Ohne die NTIA, die etwa beim Betrieb der Rootzone selbst jede Änderung geprüft hat, fällt eine unabhängige Prüfung der ICANN weg. Die ICANN ohne Notbremse und praktisch dauerhaft mit der zentralen Rootkontrolle zu betrauen, halten viele Experten für zu riskant.

Die gemeinsame Arbeitsgruppe der ICANN-Selbstverwaltungsgremien (Cross-Community Working Group, CWG) schlug daher eine externe Organisation zur Vertragsabwicklung mit der ICANN vor, plus ein repräsentatives Aufsichtsorgan der Gremien. Als Korrektiv für den laufenden Betrieb schlug die CWG noch einen ständigen Ausschuss der IANA-Kunden vor und für den Streitfall eine externe Schlichtungsstelle. Viel zu kompliziert, hielten Teile der ICANN-Gemeinde sowie Magazinger dem entgegen.

Eine zweite ICANN-Arbeitsgruppe (CCWG), die sich speziell mit der Kontrolle der ICANN befasst, soll nun eine Lösung aufzeigen. Statt einer externen Aufsicht soll das ICANN-Volk, beziehungsweise dessen Gremien, gestärkte Kontrollrechte erhalten. Wenn die Gemeinschaft Entscheidungen des Vorstands stoppen oder ICANN-Vorstandsmitglieder entlassen kann, sei das notwendige Korrektiv da.

Daneben sollen bestimmte Grundsätze in der ICANN-Satzung so festgezurrt werden, dass sie nicht durch einen Vorstandsbeschluss geändert werden können. Die Details sollen jetzt unter Hochdruck ausgearbeitet werden. Der ursprüngliche Zeitplan für die Abgabe bei der NTIA wurde angepasst, er sieht aber die "Erledigung bis September" vor, versichert eco-Anwalt Thomas Rickert, einer der Vorsitzenden der CCWG. (anw)