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ICANN bilanziert den Weltgipfel der Informationsgesellschaft

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Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat erneut einen Workshop zum Thema Weltgipfel der Informationsgesellschaft abgehalten. Bei diesem sechsten Treffen hat sie bilanziert und die Auswirkungen auf die ICANN abgeschätzt. "Erst einmal ist es gut, zu wissen, dass ICANN als Institution überlebt hat", sagte der Vorsitzende des ICANN-Vorstands Vint Cerf. Allerdings bleibe die Organisation unter genauer Beobachtung. Wichtige Ereignisse des kommenden Jahres sind für Cerf die Vollversammlung (Plenipotentiary Meeting) der International Telecommunication Union, das erste Treffen des neuen Internet Governance Forum (IGF) in Griechenland und das Ende der Vertragslaufzeit für das Memorandum of Understanding (MoU) zwischen ICANN und dem US-Handelsministerium im September. Die größte Herausforderung bleibe, die Effektivität des partnerschaftlichen Selbstregulierungsmodells nachzuweisen.

Die Idee von einem Zusammenwirken von Regierungen, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaft wird laut Markus Kummer, Sekretär der UN Working Group on Internet Governance (WGIG), auch für das IGF aufgegriffen. Kummer rief beim ICANN-Treffen dazu auf, Vorschläge zur Gestaltung des IGF an die UN zu übermitteln. Kofi Annan werde nach eingehenden Konsultationen zum Format des Forums die Details bekanntgeben. Stellungnahmen seien dringend erwünscht, so Kummer. Er stellte eine neue Website in Aussicht, auf der diese gepostet werden können.

Unverändert unverständlich erscheinen so manchen einige der hart ausgefochtenen Passagen der Tunis-Deklaration. Der litauische Botschafter Janis Karklins, Präsident der Prepcoms, sagte mit Blick auf die geforderte "verbesserte Zusammenarbeit" von Internetverwaltern und Regierungen: "Also ganz ehrlich, wenn man das so liest, ist das wirklich schwer zu verstehen. Darum sagt jeder, er habe bekommen, was er wollte, weil wir einfach nicht verstehen, auf was wir uns da geeinigt haben."

ICANNs Präsident Paul Twomey sagte, man diskutiere mit dem ICANN-Regierungsbeirat in Vancouver bereits über mögliche Reformen der "Interaktion" zwischen dem Regierungsbeirat und dem ICANN-Vorstand. Er habe dem GAC vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema einzusetzen. Die Aufsichtsrolle der USA bleibt dabei ein neuralgischer Punkt. Mit Blick auf das MoU sprach Cerf beim WSIS-Workshop von "Auslaufen oder erneuter Prüfung". Die Länderdomainmanager sind sich sicher sind, ob ICANN die auf die Länderadresszonen bezogene Bedingung im MoU erfüllen kann. Punkt 7 des MoU fordert, dass ICANN in Zusammenarbeit mit dem GAC vertragliche Beziehungen zu den Länderdomainmanagern aufbauen muss. Davon ist man aber weit entfernt.

Von allen Seiten, auch von den Regierungen, hagelt es derzeit übrigens Nachfragen, ob die IANA – und damit einige zentrale Funktionen in Bezug auf die Rootzone – tatsächlich neu ausgeschrieben wird. Twomey reagierte auf eine Anfrage von heise online dazu bislang nicht. Es sei gegenwärtig unklar, ob eine Veränderung bei der IANA geplant sei, sagt DeNIC-Justiziar Stephan Welzel. "Entscheidend ist und bleibt, dass ICANN und IANA gut funktionieren." Der politische Überbau sei nicht so entscheidend wie die Erfüllung der technischen Aufgaben. Welzel kommentierte gegenüber heise online auch den Tunis-Passus, dass kein Land Einfluss auf die Entscheidungen über die Domain eines anderen Landes haben solle. "Solange die US-Regierung, wie bisher, beabsichtigte Änderungen in der Root lediglich ansieht, nachdem die Entscheidung bereits gefallen ist, und auch nicht weiter eingreift, muss man sagen: Ansehen ist nicht entscheiden. Genaugenommen widerspricht die gegenwärtige Praxis dem Tunis-Dokument also nicht."

Siehe zum zweiten Weltgipfel der Informationsgesellschaft auch:

Zu den Ergebnissen des 1. WSIS siehe auch:

(Monika Ermert) / (anw)