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ICANN gibt grünes Licht für .eu-Domain

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Die .eu-Domain hat eine weitere Hürde auf dem Weg zur europäischen Top Level Domain genommen. Heute Nacht gaben die Direktoren der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) grünes Licht für die Unterzeichnung des Vertrags mit dem von der Kommission mit dem Betrieb der Registry beauftragten Konsortium Eurid. Man werde sich in Kürze zu diesem Zweck mit ICANN-Präsident Paul Twomey treffen, sagte Eurids General-Manager Marc van Wesemael gegenüber heise online. Große Änderungen am Vertrag selbst werde es wohl nicht mehr geben, meinte van Wesemael.

Gleichzeitig gab Eurid bekannt, dass das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers als Validierungsagentur für die aufwendige zweistufige, so genannte Sunrise-Periode ausgewählt wurde. Dabei geht es um die Überprüfung angemeldeter marken- und namensrechtlicher Ansprüche. In der ersten Sunrise-Phase dürfen nur Inhaber oder Lizenznehmer von registrierten nationalen und Gemeinschaftsmarken, geografischen Herkunftsangaben oder Namen öffentlicher Einrichtungen ihre Domain-Namen anmelden. In der zweiten Phase kann man sonstige frühere Rechte, also auch nicht eingetragene, aber rechtlich geschützte Marken und Bezeichnungen -- wie bekannte Marken oder Firmenbezeichnungen -- anmelden. Erst nach Ende dieser insgesamt vier Monate dauernden Vorabregistrierungsfristen ist die Anmeldung einer .eu-Domain für die breite Öffentlichkeit möglich -- Vorregistrierungen, wie sie diverse Domain-Dienstleister anbieten, begründen in keiner Weise einen Rechtsanspruch auf eine gewünschte .eu-Domain.

PriceWaterhouse habe die notwendigen Kapazitäten im Bereich Markenrechte und sei vor allem einer der wenige Bewerber gewesen, die bereit waren, das finanzielle Risiko der Validierungstätigkeit selbst zu tragen, erklärte van Wesemael. Geld werde nur an den eigentlichen, zu überprüfenden Anmeldungen verdient. Die Mehrzahl der Bewerber hatte den Auftrag über ein Pauschalhonorar abrechnen wollen. Doch dazu wollte sich Eurid nicht verpflichten. Als Nächstes soll schon bald ein Anbieter für alternativer Schlichtungsverfahren benannt werden.

Auch wenn die EU-Registry mit der Entscheidung der ICANN und der Wahl der Agentur wieder ein gutes Stück vorangekommen ist, nennen die Eurid-Verantwortlichen noch keinen konkreten Termin für den Registrierungsstart. Nach der Vertragsunterzeichnung sieht man sich bei Eurid endlich in der Lage, die Server für den Betrieb anzumieten. Bevor es die gibt, kann ICANN nicht bei der IANA vorstellig werden, um die Registry anzumelden und schließlich auch die .eu-Domain in die DNS-Rootzone einzutragen. Zunächst einmal sollen es lediglich vier Server sein, "denn für die kommenden Monate, in denen es noch keine Einträge gibt, reicht das erst einmal aus", sagt van Wesemael. Nach dem aktualisierten Zeitplan sollte man also die Sunrise-Phase nicht vor dem vierten Quartal 2005 erwarten, die offene Registrierung dann im kommenden Jahr.

Vor dem Start der auf zwei mal zwei Monate angelegen Sunrise-Phase muss außerdem die EU-Kommission, eigentlicher Delegationsnehmer für .eu, noch den endgültigen Registrierregeln von Eurid zustimmen. Blickt man auf das quälend lange Verfahren bei der Einführung von .eu, könnte das noch einmal Sand ins Getriebe bringen. Seit Ende 1999 ist die Top Level Domain geplant. Doch die Verabschiedung einer speziellen Verordnung für die Domain, das langwierige Ausschreibungs- und Auswahlverfahren und die Vertragsverhandlungen zwischen Kommission und dem Konsortium Eurid haben den Start um mehrere Jahre verzögert. Damit hat man die Chance vergeben, als erster echter Wettbewerber zu .com den Markt aufzurollen.

In der Zwischenzeit gab es viel Gelegenheit für unlautere Unternehmen, Vorregistrierungen für das Phantom an unbedarfte Nutzer zu verkaufen. Sowohl die Kommission als auch Eurid warnen jedoch laufend vor solchen Vorregistrierungen. Dabei wolle man allerdings deutlich zwischen Registraren unterscheiden, die ihre Kunden anbieten, sie über die .eu-Einführung auf dem Laufenden zu halten, und denjenigen, die Vorregistrierungen gegen Geld anbieten. "Dabei haben Leute wirklich Geld verloren", warnt Fay Howard von Eurid. (Monika Ermert) / (jk)