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ICANN legt sich für rasche Migration zu IPv6 ins Zeug

Zwischen 2009 und 2011 wird die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzten IPv4-Nummernblöcke vergeben. Danach gibt es keine solchen Nummern nach Internet Protocol Version 4 mehr. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) folgte daher bei ihrem gestern beendeten Treffen dem Wunsch der IP-Adressverwalter (Regional Internet Registries, RIRs) und verabschiedete eine Resolution zur raschen Migration. ICANN hat sich dabei zunächst einmal verpflichtet, mit einem gewissen Teil des Budgets für 2008 von immerhin 41,6 Millionen US-Dollar (PDF) für die Migration zum Nachfolgeprotokoll IPv6 zu werben.

Trotz des mehrfach gezogenen Vergleichs, eine fixe Deadline für den Übergang im Stil staatlich verordneter Termine für das Ende der analogen Rundfunkübertragung wollte man nicht festschreiben. ICANNs Präsident Vint Cerf, der zu den Entwicklern von IPv4 gehört, sagte: "Ich weiß, dass bei den RIRs ein IPv4-Countdown vorgeschlagen wurde, aber er wurde abgelehnt. Ich denke, ich würde eher auf einen 'IPv6-Count-up' schauen, in der Hoffnung, alle zur Migration zu einem bestimmten Datum zu ermutigen."

Ray Plzak, aktueller Vorsitzender der Dachorganisation der RIRs NRO, hatte vor allem darauf gedrängt, Netz- und Marktteilnehmern zu erklären, dass sie ihre Dienste IPv6-fähig zu machen haben. Denn auch wenn sie dafür in ausreichendem Maß über IPv4-Adressen verfügen, würden sie all die potentiellen Kunden von den Diensten (etwa E-Mail oder Webserver) aussperren, die in ein paar Jahren eben tatsächlich nur noch IPv6-Adressen bekommen können. Auf diese "IPv6 only"-Nutzer müssen sich auch die reich mit IPv4 Versorgten mit Dual-Stack-Lösungen einstellen, wollen sie erreichbar bleiben.

Plzak wies auch darauf hin, dass Versuche, nicht oder nicht effektiv genutzte IPv4-Adressen neu zuzuteilen, keine echte Lösung seien. Sie kosteten eine Menge Zeit und machten aufgrund der notwendigen neuen Routing-Daten die Routing-Tabellen noch komplizierter.

IPv6-Adressraum gibt es bei den RIRs, für Europa beim Réseaux IP Européen (RIPE), schon seit 1999. Die Migration ist allerdings nur langsam vorangekommen. Anfangs warnten die RIRs selbst vor Panikmache mit Blick auf die Erschöpfung der IPv4-Adressen. Statistiken von damals verlegten das Ende der IPv4-Adressressourcen deutlich weiter in die Zukunft. Die rasant gestiegene Nachfrage sei der Grund für die neuen Projektionen, sagte Plzak. Würden alle Netznutzer Dual-Stack-Dienste einrichten, bevor der IPv4-Topf dann tatsächlich leer ist, sei man auf der sicheren Seite, so Cerf.

Zur Diskussion um die IPv4-Adressknappheit, den Umstieg auf IPv6 und Grundlagen, Spezifikationen sowie weitere Berichte zu IPv6 siehe:

(Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (hos)

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