ICANN: neue Gremien, bekannte Gesichter

Die privaten Netzverwalter verkündeten die Personalentscheidungen für das mächtige Nominierungskomitee und die künftige Nutzervertretung.

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  • Monika Ermert

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) bastelt fleißig an ihrer Strukturreform. Nach dem obligatorischen Erfolgsbericht an die Adresse des US-Handelsministeriums in der vergangenen Woche verkündeten die privaten Netzverwalter nun die Personalentscheidungen für das mächtige Nominierungskomitee (NomCom) und die künftige Nutzervertretung (At large Advisory Committee, ALAC).

An die Spitze des Nomcom wurde Linda Wilson berufen, die seit ICANNs Gründung ununterbrochen dem Vorstand angehört. Auch wenn Wilson im Nomcom, der künftig acht von 15 stimmberechtigten Direktoren wählen soll, nicht selbst stimmberechtigt ist, gibt ihre Wahl der Kritik von der "institutionellen Inzucht" in der Organisation erneut Nahrung.

Auch bei den von den ICANN-Direktoren ausgewählten Interims-Nutzervertretern finden sich viele altbekannte Namen. Nordamerikas Nutzerschaft wird so vorerst durch ICANNs ehemalige Gründungsvorsitzende Esther Dyson repräsentiert. Dyson gehörte zu den wenigen, die nach ihrer Amtszeit aus dem Vorstand herausrotierten. Ein ganz neues Gesicht im ALAC ist lediglich der Vertreter aus China, Xue Hong. Er ist Mitglied der offiziösen Internet Society Chinas.

Eine europäische Nutzervertretung sollen der Vizechef des im Dezember abgeschafften General Assembly, ICANN Quasi-Parlament, Thomas Roessler und Vittorio Bertola auf die Beine stellen. Bertola hatte 2000 für einen der jetzt abgeschafften At-large-Sitze kandidiert und hat vorsorglich zusätzlich zur eingeführten ICANN-Europe-Liste eine neue Diskussionsliste für die European Regional At large Organisation (Euralo) aufgemacht. Ein anderes Angebot an Euralo-Bewegte macht auch der von den drei deutschsprachigen NICs und dem Aktivisten Wolfgang Kleinwächter zum vierten Mal einberufene ICANN-Studienkreis Anfang Februar in Berlin.

Es könnte sich schnell zeigen, dass die neuen ALACs genau vor dem gleichen Problem stehen, vor das sich bis zuletzt die gewählten At-large-Direktoren gestellt sahen. Zu zweit sollen Roessler und Bertola ohne Geld und Backoffice die Nutzerorganisationen in ihrer Region zusammenbringen. Roessler sieht aber einen Unterschied: "Die At-large-Direktoren hatten eine diffuse Wählerschaft, die sich nach der Wahl verlaufen hat", sagt der Mathematiker. Die ALAC-Konstruktion, in der sich Vereine, Nutzerorganisationen und erst in zweiter Linie auch individuelle User wiederfinden sollen, biete einen klareren Rahmen und vor allem Einflussmöglichkeiten an verschiedenen Stellen in der neuen ICANN-Struktur, beispielsweise im NomCom. Doch im Vorstand werden die Nutzervertreter künftig nur "gehört". (Monika Ermert) / (anw)