ICANN testet nicht-englische Adresszonen

Ab Montag testet die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers elf Sprachversionen der Adresse .test auf speziellen Wiki-Seiten.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 58 Beiträge
Von
  • Monika Ermert

Gestern wurden elf Versionen der Adresse .test in die Rootzone eingefügt, und zwar .test auf Arabisch, Persisch, Russisch, Hindi, Griechisch, Koreanisch, Hebräisch, Japanisch, in Tamil und in klassischem und modernem Chinesisch. Ab dem kommenden Montag werden dann in all diesen Sprachen "example.test"-Wikiseiten online erreichbar sein. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ruft im Zuge der von ihr gestarteten Testphase Nutzer aus aller Welt auf, die Seiten zu testen. Die ICANN spricht von einer der größten Veränderungen im Internet.

Bei der Einführung komplett nicht-englischer Adresszonen sind der ICANN freilich andere schon zuvorgekommen. Arabische Länderregistries und auch das chinesische CNNIC bieten bereits Top Level Domains in ihren jeweiligen Schriftzeichen an. In die Root eingetragen sind diese allerdings nicht und daher nur durch ein entsprechendes Routing der jeweils im Land aktiven Registrare möglich. Der Druck aus diesen Ländern hat nach den zögerlichen Schritten zur Einführung von nicht-englischen Adressen auf der zweiten Ebene nun auch für den eigentlichen "großen Sprung" zum komplett nicht auf den American Standard Code for Information Interchange (ASCII) beschränkten Adressierungssystem geführt.

Experten hatten befürchtet, das Netz könne schließlich in mehrere nicht miteinander verbundene Sprachinseln zerfallen, wenn der Bedarf der Nationen mit nicht-englischen Schriftsystemen nicht berücksichtigt wird. Den grundlegenden IDN-Standard hatte die Internet Engineering Task Force (IETF) geschaffen, die aktuell auch noch an der notwendigen Nachrüstung für E-Mails arbeitet.

Die ab kommenden Montag verfügbaren Wikis in den elf Sprachen erlauben laut ICANN den Nutzern, eigene Unterseiten unter eigenem Namen und in ihrer eigenen Sprache zu kreieren. Mit einem Schlag werden so, wenn auch erst einmal testweise, mehrere 10.000 neue Buchstaben beziehungsweise Schriftzeichen im Domain Name System verfügbar.

ICANN macht sich mit dem Start des Tests selbst ein Geburtstagsgeschenk, kurz von seinem bevorstehenen 30. internationalen Treffen. Man kann den IDN-Test aber auch als Abschiedsgeschenk für den TCP/IP-Mitvater Vint Cerf sehen, den die private, unter US-Aufsicht stehende Netzverwaltung bei dem Treffen in Los Angeles verabschiedet. Cerf hatte die IDN-Entwicklung in seiner achtjährigen Zeit als Vorstandsmitglied und als dessen Vorsitzender mit vorangetrieben. Sein Weggang wird von vielen ebenfalls als einschneidende Entwicklung für ICANN betrachtet. Wer Cerfs Nachfolger wird, gehört zu den Entscheidungen, die in Los Angeles zu treffen sind. (Monika Ermert) / (anw)