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ICT 2015: Vom Graphen übers Urban Farming zur Gedankensteuerung

Bei dem von der EU veranstalteten Kongress für Informations- und Kommunikationstechniken zeigen Forscher aus ganz Europa ihre Projekte. Der Andrang ist groß, denn es geht um zig Milliarden Fördergelder.

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ICT 2015

(Bild: Kai Rüsberg)

"Wir müssen in Europa jetzt handeln, um nicht den Anschluss auf den digitalen Märkten zu verlieren." Mit diesen Worten eröffnete Günther Oettinger die von der EU-Kommission organisierte ICT 2015 in Lissabon. "Wer zu spät kommt, wird vom Markt bestraft", erklärte Oettinger weiter.

Die ICT 2015 ist der größte Event für Informations- und Kommunikationstechniken in Europa. Vom 20. bis 22. Oktober treffen sich in Lissabon 7000 Experten aus Wissenschaft, EU-Verwaltung und Politik und Wirtschaft. Ursprünglich waren nur 4500 Plätze geplant und die Veranstaltung im Konferenzzentrum am Tejo platzt aus allen Nähten.

ICT steht für "Innovate, Connect, Transform". Auf der Konferenz werden die Strategien und Initiativen der EU-Kommission zu Forschung und Innovation im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien vorgestellt und diskutiert. Forschungseinrichtungen aus ganz Europa sind nach Lissabon gekommen, um auf ihre Projekte aufmerksam zu machen und um sich für künftige Kooperationen zu vernetzen. Somit ist das erste Ziel von Oettinger, seit 2014 EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, schon aufgegangen. Er will ins Bewusstsein rücken, dass es bei Themen wie Datenschutz, Big Data und IKT-Forschung keine nationalstaatlichen Alleingänge mehr geben darf.

Zur Seite sprang ihm dabei auch der ehemalige IBM-Manager und Ex-BDI Chef Olaf Henkel. Als stellvertretender Vorsitzender des Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments lobte er, Oettinger habe die richtigen Konzepte für den digitalen Wandel und gehe die neue Digitalisierungsstrategie sehr strukturiert an.

Auf der Konferenz wird in zahlreichen Konferenzen und Netzwerktreffen über die künftige Verteilung der Forschungsmittel der EU diskutiert. Das Gesamtprogramm heißt Horizon 2020 und wird jeweils in zwei Jahres-Tranchen verteilt. Von den insgesamt 80 Milliarden Euro von 2014 bis 2020 stehen für die kommenden zwei Jahre 16 Milliarden Euro für Forschung und Innovationen zur Verfügung.

In einer Begleitausstellung wird über die Initiativen der EU-Kommission und Fördermöglichkeiten zu Forschung und Innovation im Bereich IKT informiert. Erstmals können sich auch die Bürger in einem öffentlichen Ausstellungspavillion mitten in der Lissabonner Innenstadt davon ein Bild machen.

Dort kann man sich zum Beispiel den neuen Zukunftsbaustoff "Graphen" sich erklären lassen. Damit lassen sich extrem-dünne und gleichzeitig sehr widerstandsfähige Kohlenstoffnetze aufbauen, die optisch fast durchsichtig sind. Die Einsatzmöglichkeiten scheinen sehr vielfältig: vom Super-Akku als Energiespeicher bis zum Wasserfilter oder Dichtmaterial, das sogar gegenüber Heliummolekülen dicht ist.

Am Kopf angebrachte Sensoren erlauben die Steuerung technischer Geräte durch Gedanken. Die Anlernzeit des Systems von Guger Technologies soll nur 10 Minuten betragen.

(Bild: Kai Rüsberg)

Im Kongresszentrum gibt es eine große Ausstellung. Dort sind Dutzende erstaunliche Forschungsprojekte zu entdecken, die zum Teil erstmals ihre Prototypen vorführen. Beispielsweise die österreichische Firma Guger Technologies, die nicht invasive Möglichkeiten der Steuerung mit Hilfe von Gehirnströmen demonstriert. In ihren per Video gezeigten Versuchen sei es gelungen, durch außen am Kopf aufgesetzte Elektronen eine künstliche Hand allein mit der Kraft der Gedanken zu steuern. Die Anlernzeit zur Kalibration auf den Probanden betrage dabei nur 10 Minuten, erklärten die Forscher bei der Präsentation an ihrem Stand.

Schon allein wegen der zahlreichen Forschungspräsentationen ist ein Besuch der unter dem Hashtag #ICT2015 in Social Media auffindbaren Großveranstaltung lohnenswert. Zum Beispiel auch ein Hackathlon und Konzeptpräsentation zum Smart Urban Farming. Bis Donnerstag konkurrieren dabei Start-Up-Firmen aus ganz Europa um ein Preisgeld von insgesamt 49.000 Euro. Zwei Teams kommen aus Deutschland. Eine Berliner Firma will "zum Air-BnB der regionalen Lebensmittel" werden und ein Startup aus Bremen will ein Netzwerk für die Bienenhaltung in Deutschland aufbauen.
(Kai Rüsberg) / (ad)

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