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ID2020: Blockchain-Ausweis für Milliarden

Über eine Milliarde Menschen haben derzeit keine offiziellen Ausweispapiere. Eine dezentrale Lösung soll helfen, diesen Menschen Zugang zu staatlichen Leistungen zu geben.

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Finger statt PIN

Finger statt PIN: Das Geldabheben wird einfacher.

(Bild: dpa, Oliver Berg)

Auf dem ID2020 Summit bei den Vereinten Nationen (UN) in New York haben Accenture und Microsoft einen ersten Prototypen einer digitalen Ausweislösung vorgestellt, die biometrische Daten mit einer dezentralen Speicherung verknüpft. Das Projekt ist Teil des Plans der UN, bis 2030 Armut und Hunger zu beseitigen und allen Menschen Zugriff auf staatliche Infrastrukturen zu geben.

Die nun vorgestellte Lösung basiert auf einer Blockchain-Lösung von Accenture und läuft auf Microsofts Cloud-Plattform Azure. Accenture hatte bereits für den Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge ein ID-System entwickelt, mit dem bisher 1,3 Millionen Geflüchtete in 29 Ländern erfasst worden sind und das bis 2020 auf auf 75 Länder ausgeweitet werden soll. In Zusammenarbeit mit Microsoft hat das irische Unternehmen nun eine Lösung entwickelt, die in wesentlich höheren Maßen skalieren soll.

Die Speicherung von Zugangsdaten in einer Blockchain soll sicherstellen, dass künftig keine zentrale Stelle mehr den Zugang auf Identitätsnachweise blockieren kann. In der Blockchain selbst sollen aber keinerlei identifizierende Daten enthalten sein – hier wird nur der Zugang zu den ID-Informationen verwaltet, die in anderen Datenbanken gespeichert sind. Welche Identifikationsmethoden konkret unterstützt werden sollen, ist dabei noch unklar. Accenture teilt bisher lediglich mit, das neben Fingerabdrücke auch andere Informationen verwaltet werden können. Indien hatte bereits 2010 mit der systematischen Erfassung von Iris-Scans der eigenen Bevölkerung begonnen.

Die Entwicklung eines solchen Ausweises steckt noch in einem frühen Anfangsstadium. Das Konsortium ID2020 plant erst für das Jahr 2020 einen Prototypen, der in der Breite getestet werden kann. Zehn Jahre später soll das neue System dann eine digitalen Identitätsnachweis für jeden Menschen bereitstellen.

Der Weg dahin ist aber noch steinig und hängt nicht nur von technischen Lösungen ab. So nutzen einige Staaten die Kontrolle über Identitätsnachweise als Machtmittel, andere Staaten wie die USA verzichten absichtlich auf ein verpflichtendes zentrales staatliches Ausweis-System. Insbesondere Entwicklungsländer sind mit der Erfassung der eigenen Bevölkerung überfordert. Mit einem allgemeinen Identitäts-System soll jedem Menschen die Gelegenheit gegeben werden, zum Beispiel ein Konto zu eröffnen oder an Wahlen teilzunehmen. Zudem soll die systematische Erfassung der Bevölkerung helfen, den Fortschritt der Entwicklungsziele der UN zu überwachen. (axk)