IDF: Gelsinger verrät konkrete Performance-Werte

Es blieb dem Chef der Business-Sparte, Pat Gelsinger, vorbehalten, weitere Details und vor allem Performance-Werte der neuen Intel-Mikroarchitektur zu verraten.

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 36 Beiträge
Von
  • Andreas Stiller

Vom aktuellen Intel-Entwicklerforum erhoffte man sich vor allem einen Ausblick auf die neue Prozessor-Mikroarchitektur, die vom Notebook bis zum Server ab der zweite Jahreshälfte 2006 zum Einsatz kommen soll. Es blieb dem Chef der Business-Sparte, Pat Gelsinger, vorbehalten, weitere Details und vor allem Performance-Werte zu verraten.

In einem Jahr will Intel die Leistung der Serverprozessoren massiv gesteigert haben -- bei geringerem Energiebedarf.

In seiner Keynote zeigte er in zwei Schaubildern sowohl die absolute Performance als auch die Energieaufnahme, wenn auch nur relativ zum aktuellen Irwindale-Xeon auf dem Lindenhurst-Chipsatz. Demnach sollen zwei der auf 65 Nanometer "geshrinkten" Xeons (Codename Dempsey) in der Bensley-Plattform (zwei FSB-Schnittstellen, wahrscheinlich vier FB-DIMM-Kanäle mit DDR2-533 oder DDR2-667) dank ihrer insgesamt vier Cores den SPECint-Rate um 88 Prozent beschleunigen, mithin den Basiswert von etwa 38 Punkten (3,6 GHz, 2 Cores, 2 Chips) auf 71,4 (Takt unbekannt, 4 Cores, 2 Chips) steigern. Woodcrest mit der neuen Microarchitektur legt dann noch einmal um 52 Prozent zu, kommt also auf 108,6 SPECint_rate_base2000. Zum Vergleich: ein aktuelles Dual-Opteron-System, etwa der HP ProLiant DL385, erreicht mit zwei 2,2-GHz-Opteron-Doppelkernprozessoren einen Basiswert von 65,2, IBMs Power5 kommt im eServer P5 570 in dieser Ausstattung auf 74,4 und eine SGI Altix 3700 Bx2 mit vier Itanium-2-Prozessoren schafft 66,5 Punkte.

Die Effizienz der Server-Prozessoren soll noch deutlicher steigen als ihre Rechenleistung.

Bei der Energieeffizienz ließ Gelsinger lieber den stromschluckenden Dempsey aus und ersetzte ihn durch den Sossaman-Prozessor, die Server-Version des Notebookprozessors Yonah. Sossaman mit seinen 31 Watt TDP ist demnach im Vergleich zum Low-Voltage-Irwindale (mit 2,8 GHz, 55 Watt TDP und rund 28 SPECint_rate_base2000) um 109 Prozent leistungsfähiger, er müsste also auf etwa 33 Punkte beim SPECint_rate_base2000 kommen. Für Woodcrest (mit spezifizierten 80 Watt TDP) käme man nach diesem Schaubild sogar nur auf etwa 65 Watt -- das ist allerdings der von Intel für den Desktop-Prozessor Conroe angegebene TDP-Wert.

Die L2-Cachegröße von Merom beträgt 2 MByte, für die Notebookversion soll es aber auch eine 4-nbsp-MByte-Cache-Version geben -- hier wird Letzterer vielleicht als Extreme Edition vermarktet. Woodcrest für DP-Server startet gleich mit 4 MByte L2-Cache. Der größere "MP"-Server-Kollege Whitefield packt gleich vier Kerne und bis zu 16 MByte L2-Cache auf einen Die. Das Die-Bild des Whitefield war -- wie Gelsinger im anschließenden Gespräch zugab -- noch geschönt, damit man den Speichercontroller und die seriellen Links (Common Standard Interface, CSI) nicht erkennen kann. Außerdem gibt es im Unterschied zu den anderen noch kein fertiges Silizium. Gelsinger demonstrierte auch den noch vor Dempsey zwischengeschobenen Paxville, ein stromhungriger Xeon DP oder MP, noch in 90 nm, mit zwei "zusammengeklebten" Kernen. Besonders sinnvoll ist ein Paxville DP (im Unterschied zur DP-Version mit nur einem FSB) jetzt eigentlich nicht mehr, konnte doch Dempsey bereits seine Lauffähigkeit belegen und zwar mit der ersten öffentlichen Vorführung von Microsoft Virtual Server -- ein Betriebssystem, das die Virtualisierungfähigkeit des Prozessors ausnutzt (Vanderpool Technology, VT). Wie es heißt, hat aber vor allem Dell darauf gedrängt, noch in diesem Jahr im unteren Serverbereich einen Dual-Core offerieren zu können, damit HP, Sun und IBM mit ihren Opteron-Doppelkernen nicht allzu viel abgrasen können.

Zur Itanium-Linie gab es nicht viel Neues. Gelsinger zeigte, wie ein Anfang nächsten Jahres auf dem Markt kommender Montecito den aktuellen IBM Power5 (1,9 GHz) beim Linpack-Benchmark um 64 Prozent abhängt. Den neuen Power5+ mit 2,4 GHz soll Montecito im OLTP-Benchmark noch um 20 Prozent übertreffen. Das Gerücht, HP denke daran, den Itanium fallen zu lassen, verweis Gelsinger im Einzel-Interview in den Bereich der Fabel. Erstaunt hatte er zuvor im Anschluss an seine Keynote nach der "Q&A" festgestellt, dass keine einzige Frage zu Itanium gestellt wurde -- vielleicht interessierte sich dafür einfach keiner.

Siehe zum IDF Herbst 2005 auch:

(as/c't) / (ciw)