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IDF: Zukunftssicherer Typ-C-Stecker für USB 3.1 ist da

Auf dem IDF haben Intel-Ingenieure viele Details zum neuen Typ-C-Stecker verraten und bereits erste Kabel ausgestellt. Zudem wurden schnelle Datentransfer gemäß USB 3.1 demonstiert.

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Größenvergleich: links der neue Typ-C-Stecker, in der Mitte der altbekannte Typ A und rechts der mit USB 3.0 eingeführte Micro AB

(Bild: Florian Müssig)

Dass ein neuer USB-Stecker kommt, ist erst seit Ende 2013 bekannt, doch seitdem ging es vergleichsweise schnell: Im August wurde die Spezifikation festgeklopft und zum derzeit in San Francisco stattfindenden IDF hat die Dachorganisation USB-IF erste Kabel und Buchsen im Gepäck. Die selbst auferlegte Vorgabe, die Größe eines USB-2.0-Mini-Stecker nicht zu überschreiten, wurde aber knapp verfehlt.

Der neue Typ-C-Stecker ist mit rund 8,3 Millimetern Breite und 2,5 Millimeter Höhe deutlich kompakter als der bisher gängige Typ-A-Stecker, den er ablösen soll. Wie Apples Lightning-Stecker passt er in beiden Steckrichtungen in die zugehörige Buchse – ein klarer Komfortgewinn. Außerdem sitzen an beiden Kabelenden gleiche Stecker, was den praktischen Umgang weiter erleichtert. Schließlich findet Intel den neuen Stecker auch hübscher als die alten USB-3.0-Konstruktionen.

Anders als etwa bei Apples Lightning-Stecker liegen beim Typ-C-Stecker – wie schon bei allen bisherigen USB-Steckern – sämtliche Kontakte versteckt im Inneren. Die Buchse enthält eine mittig platzierte Zunge mit oben- und untenliegenden Kontaktleisten, und zwar zwölf Stück pro Seite. Darauf passt die mittige Aussparung im Stecker mit Kontakten an Dach und Boden.

Der Typ-C-Stecker verzichtet auf Aussparungen im Kragen, was Aussehen und elektromagnetische Abschirmung verbessert. Dennoch hält ein Typ-C-Stecker sicher in seiner Buchse, denn zwei Federn rasten seitlich an der Zunge spür- und hörbar ein. Auch die mechanische Robustheit wurde verbessert. Damit die in der Buchse befindliche Zunge nicht abbricht, schreibt der Standard explizit einen über nahezu die gesamte Breite laufenden Metallkern vor (der ebenfalls der Abschirmung dient).

Buchsen und Stecker müssen zudem für mindestens 10.000 Steckvorgänge ausgelegt sein wie bisher schon Micro-USB, während Typ-A-Stecker gerade einmal 1500 Steckvorgänge aushalten müssen. Die Komponenten sollen zudem doppelt so hohen Verwindungen trotzen als bisher. Mit einer optionalen Klammer um die Buchse seien noch höhere Kräfte möglich, damit Nutzer beim Steckvorgang möglichst keine Buchsen mehr von Platinen abreißen.

Zwar wurden Typ-C-Stecker mit USB 3.1 und seinem 10 GBit/s schnellen Modus "SuperSpeed+" im Hinterkopf entwickelt, doch dies ist keine Pflicht für Typ-C-Kabel: Hersteller dürfen sogar reine USB-2.0-Kabel mit Typ-C-Steckern bauen, die dann nur 5 statt 15 Adern enthalten – der neue Stecker garantiert also nicht automatisch höher Transferraten. Das SuperSpeed-Logo soll zusammen mit einem Zertifizierungprogramm für Klarheit beim Einkauf sorgen, erfahrungsgemäß sind aber trotzdem wohl Pfusch-Kabel zu erwarten.

Andere Kabel-Kombinationen aus alten Steckern und neuen Typ-C-Konnektoren als die hier abgebildeten will das USB-IF nicht zertifizieren.

Ähnliches gilt wohl auch für Kabel mit Typ-C-Stecker auf einer und einem bisherigen Stecker auf der anderen Seite. Offiziell will das USB-IF nur wenige Kabelarten zertifizieren (siehe Bild) und die zwei angedachten Adapter mit Buchsen am einen Ende sogar nur für Spezialfälle: In den Adapter mit Typ-A-Buchse dürfen USB-Sticks und ähnliche Geräte direkt gesteckt werden, aber keine alten USB-Kabel – Signalreflexionen zwischen Buchse und Typ-C-Stecker stören dann Datenverbindungen. Der Adapter mit Micro-B-Buchse ist nicht für Datenübertragung vorgesehen, sondern lediglich zum Laden von neuen Geräten mit Typ-C-Buchse an älteren Ladegeräten. Wahrscheinlich werden sich in Kürze aber wie schon bei USB 3.0 alle auch nur erdenkliche Kabel- und Adapter-Kombination finden lassen – und die verbreiteten Y-Kabel waren ebenfalls nie durch das USB-IF abgesegnet.

Ein wichtiges Entwicklungsziel des Typ-C-Steckers war angeblich Zukunftssicherheit – angedacht ist eine "Lebenszeit" im Markt von etwa 15 Jahren. Für den 10-GBit/s-Modus SuperSpeed+, der mit 5 GHz statt den bei USB 3.0 üblichen 2,5 GHz arbeitet, ist eine Dämpfung von 6 dB spezifiziert, aber zusätzlich wurden in der Typ-C-Definition auch 10 GHz mit 11 dB aufgenommen. Das ist eine Reserve, falls ein künftiger USB-Standard die Frequenz weiter steigert. Außerdem ließe sich die Anzahl der Leitungen verdoppeln, denn von den 24 Pins in Stecker und Buchse werden derzeit nur 12 benutzt – je nach Kabelorientierung bei Einstecken mal die einen und mal die anderen. Ein künftiger USB-Standard könnte über zusätzliche Schaltelemente mehr Leitungen nutzen.

Über die Pins eines Typ-C-Steckers müssten nicht zwangsläufig USB-Signale fließen.

Zu guter Letzt müssen die Leitungen nicht zwangsweise (nur) USB-Signale übertragen. Das USB-IF erweitert dazu die für USB Power Delivery vorgesehene Erkennung der Geräte untereinander, damit zwei Geräte auch alternative Signale austauschen können. Als Beispiel nannten die Entwickler ein Typ-C-auf-Audioklinke-Kabel: Am Tablet, Smartphone oder Notebook müsste dann keine separate Klinkenbuchse mehr sein. Stattdessen würde der Ton über spezielle Adapter aus der Typ-C-Buchse ausgegeben – das hatten einige Smartphone-Hersteller früher auch bei Micro-USB realisiert. Per USB-AV lassen sich außerdem Displays anbinden.

Die Idee des Universalsteckers ist nicht neu: MHL zweckentfremdet die USB-Buchsen von Smartphones schon länger, um HDMI-Signale auszugeben. Die VESA plant mit dem DockPort (DisplayPort plus USB) ähnliches – und mit Thunderbolt (DisplayPort plus PCIe) gibt es noch einen weiteren Konkurrenten ganz ohne USB-Beteiligung. (mue)