IETF 87: Opus-Audiocodec kommt in den Container

Einer für alles: Mit diesem Ziel hat sich im Sommer 2009 eine IETF-Arbeitsgruppe zusammengefunden, um einen neuen Audiocodec zu entwickeln. Auf dem Treffen in Berlin stellt die Gruppe das Ergebnis vor.

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Von
  • Volker Briegleb

Einer für alles: Mit diesem Ziel hat sich im Sommer 2009 auf dem IETF-Treffen in Stockhom eine Arbeitsgruppe zusammengefunden, um einen neuen Audiocodec zu entwickeln. Der neue Codec sollte hochflexibel sein, offen und dabei verschiedene Anwendungen unterstützen. Drei Jahre später hat die Gruppe die Früchte ihrer Arbeit auf dem 87. IETF-Treffen in Berlin vorgestellt: Der "Opus" getaufte Codec wurde im vergangenen September als RFC 6716 veröffentlicht und ist auf dem besten Weg, ein weithin unterstützter Standard zu werden.

Opus beherrscht flexible Bitraten von 6 (mono) bis 510 kBit/s (stereo) und kann die Audiobandbreite/Samplingrate (8 bis 48 kHz) sowie die Größe der übertragenen Audio-Frames dynamisch anpassen. Der Codec läuft auf einer Vielzahl von Architekturen (x86, ARM, MIPS u.a.), ist inzwischen Bestandteil von WebRTC und wird von den aktuellen Versionen von Firefox und Chrome unterstützt. "Opus passt ideal zu WebRTC", sagte Justin Uberti von Google. Auch VoIP-Anwendungen wie TeamSpeak oder Mediaplayer wie VLC setzen bereits auf Opus. Derzeit arbeitet die Gruppe daran, Opus auf das Streaming-Protokoll RTP zu bringen. Auch an der Einbindung in die Containerformate OGG (Audio) und Matroska (Video) werde derzeit gearbeitet, sagte Valin.

Jean-Marc Valin und Tim Terriberry stellen auf dem IETF-Treffen in Berlin ihr Opus vor.

"Es gab bisher keinen offenen Codec für alle Zwecke", erläuterte Jean-Marc Valin von Mozilla. Der Open-Source-Softwarehersteller ist an der Entwicklung ebenso maßgeblich beteiligt wie Microsoft-Tochter Skype. Die Grundidee war ein flexibler Codec, der sowohl hochqualitative Sprachanwendungen ohne große Verzögerungen beherrscht als auch Musik. "Wir wollten das jeweils Beste beider Codec-Welten vereinen", sagte Valin am Montagabend in Berlin.

Um das zu erreichen, kombinierten die Entwickler die Vorzüge mehrerer Verfahren: Der für Sprachanwendungen gedachte "Linear-Prediction-Layer" nutzt das von Koen Vos mitentwickelte Verfahren des Skype-Sprachcodecs SILK, der für Musik geeignete Teil setzt auf dem von Valin und Tim Terriberry (und dem Vorbis-Entwickler Christopher Montgomery) erdachten "Constrained-Energy Lapped Transform", kurz CELT, auf.

Beide Verfahren lagen der IETF bereits als separate Standardisierungsvorschläge vor. Für Opus wurden die beiden kombiniert. "Das ging überraschend gut", sagte Peter "Jabber" Saint-Andre in Berlin. Opus vereint die jeweiligen Stärken der verschiedenen Codecs: "Mit Opus können etwa Musiker zusammen über das Netz spielen, was mit herkömmlichen Audio-Codecs nicht so gut geht", erläuterte Valin. Opus soll sich für VoIP ebenso eignen wie für Videokonferenzen, Musikstreaming und Sendebetrieb.

Die IETF-Arbeitgruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, dass der neue Standard offen und lizenzgebührenfrei sein sollte. Das war nicht ganz so einfach, wie die Gruppe auf dem IETF-Treffen in Berlin erläuterte. Auch Opus berührt eine Reihe von patentgeschützen Verfahren, darunter von Microsoft-Tochter Skype oder Chiphersteller Broadcom. Schließlich haben die Patentinhaber für die Verwendung in Opus kostenlose Lizenzen erteilt, der Codec selbst steht unter einer BSD-Lizenz. (vbr)