IETF 87: Wann ist ein Standard ein Standard?

In Marmelade muss ein bestimmter Anteil Zucker sein, sagt die EU. Bei einem Standard muss auch Standard drauf stehen, sagt die EU. Damit kommen zahlreiche IETF-Standards in Schwierigkeiten.

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Von
  • Monika Ermert

Die EU hat so ihre Regeln. In Marmelade muss ein bestimmter Anteil Zucker sein. Wenn die öffentliche Hand Aufträge etwa für IT-Projekte ausschreibt, muss auf den dabei empfohlenen technischen Standards auch "Standard" stehen. Damit haben viele der "Standards", die von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt wurden, ein Problem. Denn bei der IETF bleiben selbst erfolgreiche und bereits großflächig eingeführte technische Entwicklungen wie IPv6 meist im Stadium "Standardvorschlag“ stecken.

Für öffentliche Stellen sei dabei vor allem problematisch, dass die IETF selbst in ihren Dokumenten schreibe, dass ein Vorschlag eben noch nicht der letzte Wurf ist, sagte Olaf Kolkman am Montag auf dem 87. IETF-Treffen in Berlin. Der ehemalige Vorsitzende des Internet Architecture Board ist derzeit Mitglied der European Multi-Stakeholder Platform on ICT Standardisation. Dieses von der EU-Kommission eingesetzte Gremium soll wichtige Standards aus nichtstaatlichen Standardisierungsorganisationen wie der IETF, dem W3C oder weiteren Foren identifizieren.

Zwar hat die IETF, die unter anderem IP, TCP-IP, DNS oder SMTP standardisiert hat, sich kürzlich aufgerafft, aus einem dreistufigen ein zweistufiges Standardisierungsverfahren zu machen. Trotzdem scheren sich die Entwickler dann kaum noch um ein Upgrade auf den endgültigen "Internetstandard", sobald der "Vorschlag" eingeführt und ausgerollt ist.

Bei IPv6 ging laut Kolkman alles gut, obwohl die Standarddokumente "Request for Comment" heißen – ein Problem auch für US-Behörden – und in IETF-Dokumenten von „noch nicht ganz ausgereiften“ Standards die Rede ist. Für die Zukunft riet Kolkman den Entwicklern, sich Gedanken über die eigene Nomenklatur zu machen. Oder aber sich mehr darum zu kümmern, für wichtige Entwicklungen das IETF-Verfahren bis zum Ende zu gehen. (vbr)