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IETF-Treffen: Streit über neue ENUM-Zone

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Bei der Internet Engineering Task Force ([htp://www.ietf.org IETF]) wird auch auf dem diese Woche in Prag stattfindenden Treffen der Organisation über eine neue Zone für Carrier ENUM gestritten. Die ursprünglich für Nutzer eingeführten Telefondomains haben sich bislang nur schleppend durchgesetzt. Daher hätte eine Reihe von Anbietern zusätzlich zu e164.arpa gerne noch eine ie164.arpa-Adresse für VoiP-Anbieter oder Carrier. Das bedeutet aber erneut einen Gang zur International Telecommuncation Union (ITU), die für den Nummernplan und damit auch für die ENUM-Zone zuständig ist. Gegen eine Empfehlung an die ITU spricht sich der Vorsitzende der ENUM-Arbeitsgruppe, Richard Shockey (Neustar), aus und empfahl, Entscheidungen über die Zone komplett der ITU zu überlassen. Damit zog er den Unmut der Autoren eines bereits verabschiedeten Entwurfs auf sich.

Shockey und sein Co-Vorsitzender Patrik Fälström (Cisco) hatten mit einem Memo kurz vor dem Treffen die Debatte schwer angeheizt. Shockey vertritt die Ansicht, dass die Entscheidung über eine eigene Carrier-Adresszone für ENUM nicht Aufgabe der IETF sei und diese sich auf ihre Arbeit als Standardorganisation beschränken solle. Mit Vertretern der IETF-Führungsetage, dem Internet Architecture Board (IAB) und der Internet Engineering Steering Group (IESG) sei man übereingekommen, dass die ITU "die Verantwortung für Infrastruktur-ENUM übernehmen soll" und auch für die "bilateralen oder multilateralen Vereinbarungen mit den Carriern", deren Einträge in die spezielle Adresszone aufgenommen werden sollen. Den zuvor in der Arbeitsgruppe angenommenen Entwurf sollten IAB und IESG allenfalls als experimentellen Entwurf zulassen. "Wir können der ITU nicht sagen, welchen Adresszone sie nehmen soll", sagte Shockey gegenüber heise online. Am liebsten sähe er es, wenn die IETF ganz die Finger von einer Empfehlung an die ITU lassen würde.

Der ehemalige IAB-Chef John Klensin warnte dagegen vor Begehrlichkeiten der ITU. Ein Zurück zu einer zentralisierten Struktur für ENUM in einem System für Carrier widerspreche der Idee der Dezentralisierung im Netz. Die ITU könnte dabei gleich weitere Top-Level-Domains und gar eine Veränderung der Struktur des Domain Name System mit einfordern, lautet Klensins Befürchtung. Klensin verwies auf die Schwierigkeiten beim Start der ersten ENUM-Zone, für die die ITU nach wie vor nur vorläufige Regeln hat.

Allerdings haben die Carrier längst ihr eigenes Infrastruktur-ENUM, das so genannte Private ENUM. Dabei werden ENUM-Abfragen für das Routing von Gesprächen genutzt, allerdings in vom öffentlichen DNS abgeschotteten privaten DNS-Netzen. Genutzt wird dies vor allem von großen Carriern und Unternehmen wie Neustar. Kleine VoiP-Provider haben sich dagegen bislang mit ENUM-Peering-Plattformen unter eigenen Internetadressen beholfen, um nicht über das Telefonnetz routen zu müssen. Ein zentraler Infrastruktur-ENUM-Punkt könnte ihnen die Arbeit möglicherweise erleichtern.

Empört über das Memo von Shockey und Fältström waren die Autoren und Befürworter des Infrastruktur-ENUM-Entwurfs, darunter vor allem eine Reihe von Experten aus dem Haus der Telekom Austria und der Nic.at. Die Nic.at hat mit Enum.at eine der ersten ENUM Registries überhaupt an den Start gebracht Die Mobilkom Austria bietet Kunden mit A1 over IP schon ein echtes Konvergenzprodukt. "Warum schickt man den Antrag nicht einfach an die ITU", fragte Richard Stastny von der Telekom Austria Tochter Oefeg kurz vor dem Treffen. Für die Autoren des Vorschlags waren die einfach an die IETF-Leitungsgremien weitergeleiteten Bedenken, zu denen sie nicht gehört worden waren, schwer verdaulich.

Aufhalten lassen werden sich Infrastrukturen wie ENUM insgesamt aber einfach nicht mehr, so Jim Reid von der Telnic, die schon bald mit der neuen .tel-Adresse konvergente Dienste übers DNS anbieten wollen. Reid widersprach einem Vertreter von Level 3, der gesagt hatte, das sei doch alles nur für kleine Länder. "Wenn Neustar sich erneut um die Verwaltung des nordamerikanischen Nummernplans bewirbt, sind sie auch auf ENUM angewiesen, schlicht aus Kostengründen." Private ENUM reiche dann nicht mehr aus.

Gezeigt hat die ENUM-Debatte übrigens auch eines sehr deutlich: Standardsierung ist mitnichten eine rein technische Angelegenheit. (Monika Ermert) / (vbr)