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IFA 2015: Nach den Wearables kommen die implantierten Chips

In der Zukunft tragen wir keine Wearables mehr und unseren Ausweis im Körper. Mit einer Chip-Implantation als Live-Event will die Antivirusfirma Kasperky auf neue Sicherheitsprobleme aufmerksam machen.

Chip

Der Chip wird in die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt.

(Bild: heise online/Borchers)

Zusammen mit der schwedischen Firma Bionyfiken haben die Kaspersky Labs auf der IFA vorgeführt, wie einem Menschen ein Chip eingesetzt werden kann. Der RFID-Chip sitzt in einem 12 Millimeter langen Glaszylinder mit 2 Millimeter Durchmesser, der in die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt wird. Damit will Kaspersky darauf aufmerksam machen, dass es für diese Chips noch keine Sicherheitsmechanismen gibt. Ein Angreifer, der ein NFC-fähiges Smartphone kurze Zeit neben die Hand eines Gechippten legt, kann die 880 Byte im Arbeitsspeicher überschreiben und so zum Beispiel die Identität des Chipträgers verfälschen.

Vor der eigentlichen Chipping-Aktion, die von einem erfahrenen Tätowierer durchgeführt wurde, zeigte Kaspersky-Manager Marco Preuß im Video, wie Hacker über NFC auf den Chip zugreifen können: Der Angreifer lenkt die Zielperson ab, während sein Handy den Kontakt zum Chip in der Hand herstellt und die UID ausliest. Dann überschreibt der Hacker den Arbeitsspeicher des RFID-Chips. Der Chip von Bionyfiken, der derzeit zum Öffnen von Türen benutzt wird, bei denen das Zugangs-Prüfsystem im Türgriff sitzt, ist damit unbrauchbar.

Nach Ansicht von Biohacker Hannes Sjöblad von Bionyfiken werden Chip-Implantate eine große Rolle spielen, wenn Menschen mit dem Internet der Dinge kommunizieren. Geräte, die man heute in der Tasche oder am Arm trägt, könnten eines Tages im Körper verschwinden und dem Menschen eine "größere Funktionalität" bescheren. Beim Biohacking würde ausprobiert, welche Möglichkeiten wirklich sinnvoll sind.

Kaspersky-Mitarbeiter Jewgeni Tschereschnew trägt den Chip seit Februar 2015 und bloggt im #BionicManDiary des Unternehmens über sein bionisches Leben. Er ist zuversichtlich, dass Menschen bald keinen Pass oder Führerschein mehr brauchen werden, weil diese Daten dann im Implantat gespeichert sind.

Bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Noch ist der Speicherplatz des RFID-Chips zu klein; noch seien Fragen der Stromversorgung für aktiv sendende Chips zu klären, die über soviel Speicher verfügen, dass kryptografische Schutzlösungen programmiert werden können, gab Preuß zu bedenken. Der große Medienrummel beim Live-Chipping zeigte indes: Cyborgs sind eine sexy Sache. (Detlef Borchers) / (vbr)

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