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IFA 2018: Die Messe der "Co-Innovation"

Kurz vor der Eröffnung der IFA beschwört der Messe-Chef die "Co-Innovation" durch branchenübergreifende Zusammenarbeit – und freut sich über ein volles Haus.

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gfu-Chef Hans-Joachim Kamp zeigt sich vor Messebeginn zuversichtlich.

(Bild: heise online)

Trotz etwas trüberer Marktaussichten als zu Beginn des Jahres ist die Branche zuversichtlich für ihre große Leistungsschau IFA, die am Freitag in Berlin offiziell eröffnet. Während überall auf dem Gelände noch geschraubt wird, freut sich Messechef Christian Göke über ein volles Haus. "Die IFA 2018 setzt neue Rekorde bei Ausstellern und Fläche", sagte der CEO der Messe Berlin am Mittwoch.

Mit 1814 Ausstellern hat es die Messe geschafft, noch einmal ein paar Unternehmen mehr als im Vorjahr (1805) auf das voll ausgebuchte Gelände zu quetschen. Auch bei der belegten Ausstellungsfläche hat die IFA 2018 noch einmal auf 161.200 Quadratmeter zugelegt – was angesichts der enormen Enge auf dem Gelände schon bemerkenswert ist. Für den nächsten IFA-Jahrgang verspricht die neue Halle 27 Erleichterung, die 2019 eröffnet werden soll.

Die Branche sei im Wandel begriffen, sagte Göke, und auf der IFA könne sie beweisen, dass sie den Herausforderungen gewachsen ist – sei es, die politischen Umwälzungen durch den Brexit zu meistern, oder mit der schnellen technischen Entwicklung Schritt zu halten.

Die ganz großen technischen Sprünge sind auf der IFA 2018 nicht zu sehen. Bei der Unterhaltungselektronik kommen die Trends der vergangenen Jahre nun im Massenmarkt an und werden günstiger – beim Schlachtross Fernseher sind das 4K-Auflösung und hochwertige OLED-Bildschirme. Aber auf die nächste Display-Generation mit 8K-Auflösung muss nicht mehr allzulange gewartet werden.

Neuheiten gibt es eher bei den inneren Werten: "Sprachsteuerung ist das Nutzer-Interface der nächsten Generation", erklärte Göke. Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz halten nicht nur bei der Unterhaltungselektronik Einzug. "KI kommt auch in die Haushaltsgeräte", sagte Miele-Chef Reinhard Zinkann am Mittwoch in Berlin.

Sprachassistenten und KI sind noch junge Technologien, die erst "langsam im Massenmarkt ankommen", sagte Christopher Meinecke vom Bitkom-Verband. Einer Umfrage des Verbands zufolge nutzen bisher 13 Prozent der erwachsenen Deutschen einen Sprachassistenten. Schon jeder vierte Befragte gab an, vernetzte Geräte wie Steckdosen, Lichtschalter oder Schließanlagen im Haushalt zu haben. "Das Smart Home steht an der Schwelle zum Durchbruch", sagte Meinecke.

Auch die "Weiße Ware", seit nunmehr zehn Jahren fester Bestandteil der IFA, vernetzt sich zunehmend. Und sie ist nicht mehr unbedingt weiß: Farbige Haushaltsgeräte gibt es schon länger, viele Hersteller setzen vor allem auf die ewige Trendfarbe Schwarz. Aber auch knalligere Farbakzente in der Küche sind nicht mehr ungewöhnlich. Bei den Haushaltsgeräten boomen darüber hinaus kabellose Handstaubsauger, Espressomaschinen und Reinigungsroboter.

Die beiden Branchen unter einem IFA-Dach sind auch Beispiel für die "Co-Innovation", die Göke zum Auftakt der Messe skizzierte. "Die IFA ist in diesem Jahr mehr denn je dadurch geprägt, dass unterschiedliche Branchen mit speziellem Fachwissen ihre Visionen teilen, diskutieren und weiterentwickeln", sagte der Messe-Chef. "Kaum ein Unternehmen kann heute permanent neue Innovationen hervorbringen ohne Partner, Allianzen oder offene Ökosysteme."

Die wirtschaftlichen Aussichten der Branche sind solide, große Sprünge sind aber derzeit nicht zu erwarten. Der Markt für Unterhaltungselektronik behaupte sich trotz negativer Einflüsse wie etwa den Handelskonflikten zwischen China und den USA in stabiler Situation, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Messe-Ausrichterin gfu.

Auch Miele-Chef Zinkann spricht als Vorsitzender des Fachverbands der Haushaltsgeräteindustrie von einer insgesamt stabilen Situation. "Die Elektro-Kleingeräte zeigen in vielen Regionen weiterhin Wachstum", sagte Zinkann. Bei Elektro-Großgeräte sei hingegen ein Rückgang zu verzeichnen, den die Branche mit dem Trend zu besser ausgestatteten Geräten und höherer Qualität im zweiten Halbjahr abfangen will. Für seine Branche gehe es zudem nicht mehr nur um den Verkauf der Geräte selbst, sondern auch um dazu passende Dienstleistungen, sagte Zinkann. (vbr)