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ILA: Kameras überwachen selbstständig Flughäfen

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Den Sicherheitskontrolleuren am Münchner Flughafen entwischte im Januar ein unbekannter Mann – und das, obwohl ein Scanner Alarm ausgelöst hatte. Am Laptop des Unbekannten hatte das Gerät Hinweise auf Sprengstoff gefunden. Der Verdächtige packte den tragbaren Computer trotzdem in aller Ruhe ein und verschwand. Weder mit der intensiven Fahndung noch durch die Sperrung der Abfertigungshalle fand man das "Phantom". So etwas ist vermeidbar, sagen junge Forscher vom Karlsruher Fraunhofer Institut.

Sie haben ein intelligentes System von Videokameras entwickelt, das voll automatisch erkennt, ob sich Menschen oder Fahrzeuge auf einem Gelände wie einem Flughafen auch dort aufhalten, wo sie hingehören. Das System soll die Sicherheitsleute entlasten, die meist vor einer riesigen Wand mit Fernsehbildschirmen sitzen und insgesamt für mehr Sicherheit sorgen. Von Dienstag an stellen die Forscher ihre Technik bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin vor.

"Unser System wäre ausreichend gewesen, um zu wissen, ob der Mann in München zum Beispiel am Gate steht oder schon ins Flugzeug gestiegen ist", sagt Eduardo Monari. Der 30-Jährige hat das Videoüberwachungssystem NEST (Network Enabled Surveillance and Tracking) mit entwickelt. Es basiert nicht auf Gesichtserkennung, sondern arbeitet mit Farben oder Merkmalen wie Kleidung.

"Wir wollen von Wänden mit Bildschirme wegkommen, auf denen Sicherheitsleute die Menschen beobachten", sagt Monari. Stattdessen bekommt das System einen Auftrag und nur, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, werden die Mitarbeiter informiert. Fährt beispielsweise ein Lieferfahrzeug einer externen Firma auf ein Flughafengelände, wird es an der Einfahrt erfasst, der Zielort ins System eingegeben. Auf der ganzen Strecke verfolgen die Kameras das Fahrzeug automatisch und registrieren, ob es auf seiner Route bleibt und am geplanten Ziel ankommt. Verlässt das Fahrzeug seine Route und fährt in einen Bereich, in den es nicht soll, wird ein Alarm ausgelöst.

Läuft alles wie gedacht, wird der Überwachungsauftrag gelöscht und die Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst müssen sich nicht weiter darum kümmern – auf einem Gelände wie dem Frankfurter Flughafen, auf dem täglich rund 4000 Lieferfahrzeuge unterwegs sind, eine echte Erleichterung. Im Fraunhofer Institut wird das System seit einiger Zeit getestet. Mit 20 Kameras im Gebäude kann überprüft werden, ob Besucher auch zum richtigen Büro finden.

Das Video-System ist nicht das einzige Projekt, das die Forscher vorstellen. Sie zeigen auch die ersten Ansätze für eine Brille, die nicht nur virtuelle Gegenstände in den Raum projizieren kann. Eine kleine Kamera filmt außerdem die Bewegungen des Auges und ermöglicht so einen Austausch des Nutzers mit seinem Gerät. Das Ziel der Forscher ist ein System, das dem Brillenträger sprichwörtlich von den Augen abliest, was er wissen möchte. Ein kleiner Computer in der Tasche liefert die nötigen Daten.

"Sucht ein Mechaniker zum Beispiel auf einer Schaltfläche nach einer bestimmten Stelle, färbt die Brille die gesuchte Position grün ein", erklärt Tobias Schuchert (29). Die Brille wird in Zusammenarbeit von vier Fraunhofer Instituten in Dresden, Jena und Darmstadt und Karlsruhe entwickelt. Baden ist für das sogenannte Eye-Tracking zuständig, also das Erfassen von Blickrichtung und Augenaktion. Anfang des nächsten Jahres soll der Prototyp der Brille iSTAR (interactive See-Through Augmented-Reality) fertig sein.

Die beiden Forscherinnen Caroline Schweitzer (28) und Claudia Hübner (38) stellen schließlich anhand eines Modells einen Warnsensor für Flugzeuge vor. Das EU-Projekt CASAM (Civil Aircraft Security Against MANPADS) wurde extra zur Terrorabwehr auf zivilen und militärischen Flughäfen ins Leben gerufen. Der Sensor soll Flieger vor allem vor kleineren Geschossen schützen, die Terroristen von ihrer Schulter aus abfeuern. Schätzungsweise 15.000 solcher Raketen sollen im Besitz von Terroristen sein.

Der rund ein Kubikmeter große Warnsensor auf der Unterseite der Maschinen hat einen Rundumblick, überwacht den Flugraum und erkennt den anfliegenden Raketentyp. Dann sendet er seine Information an einen Laser, der ein Störsignal zum Raketenkopf schickt und sie so unschädlich macht. "Die Rakete wird nicht zerstört, sondern unschädlich gemacht, sie verliert ihr Ziel und stürzt zu Boden", sagt Schweitzer. (axv)