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IMAX Enhanced: Streaming-Variante kommt in zwei Stufen

Die bereits auf Disc mögliche Variante mit DTS:X-Ton ist bei Videodiensten erst 2020 umsetzbar.

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IMAX Enhanced: Streaming-Variante kommt in zwei Stufen

DTS ist eine Tochter des Xperi-Konzerns.

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Das von IMAX und DTS im vergangenen September ins Leben gerufene Zertifizierungsprogramm "IMAX Enhanced" bleibt aus technischer Sicht eine kniffelige Angelegenheit. Allgemein gilt: Es handelt sich um eine Mischung aus Gütesiegel, einem in der Postproduktion eingesetzten (vom Filmemacher dosierbaren) Rauschfilter und dem 3D-Sound-Codec DTS:X handelt. Und das alles kombiniert mit zertifizierten Audio/Video-Receivern, Fernsehern und Projektoren, die über Metadaten in einen speziellen Wiedergabemodus geschaltet werden.

Doch gerade DTS:X verkompliziert die Geschichte erheblich – vor allem in Kombination mit der Ankündigung vom Januar, dass IMAX-Enhanced-Inhalte zunächst vor allem über Videostreamingdienste (wie Rakuten TV in Europa) verbreitet werden sollen. Dies bestätigte sich auch im Gespräch mit Jon Kirchner, CEO der DTS-Muttergesellschaft Xperi, das heise online auf dem MWC führen konnte.

IMAX Enhanced nutzt eine spezielle Variante des 3D-Sound-Codecs DTS:X, der das Soundsystem aus IMAX-Kinos im Heimkino nachbildet – unter anderem mit einem "High Center"-Kanal für Geräusche, die akustisch unter der Decke über dem Fernseher oder der Leinwand platziert werden.

Der Autor im Gespräch mit Xperi-CEO Jon Kirchner (rechts).

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Die Umsetzung auf Ultra HD Blu-rays ist vergleichsweise einfach, passende Discs sind in den USA erschienen – aber auch nur dort. Diese IMAX-Enhanced-Variante von DTS:X können zum Beispiel IMAX-Enhanced-zertifizierte Audio/Video-Receiver von Denon und Marantz wiedergeben. Bei anderen, DTS:X-fähigen Receivern ohne Gütesiegel erhält man DTS:X-Ton. Letztlich unterscheiden sich die IMAX-Variante und DTS:X nur durch Metadaten.

Anders beim Videostreaming: Hier steht für die Audiodaten nicht annähernd die bei Discs mögliche Bandbreite zur Verfügung steht, weshalb DTS eine spezielle Streaming-Variante des IMAX-Enhanced-Codecs entwickelt hat. Das bringt aber zwei Probleme mit sich: Zum einen kommen aktuelle TVs, auf denen die Videostreamingdienste als TV-Apps laufen, nicht mit dem neuen Codec zurecht, zum anderen verarbeiten auch die aktuellen AV-Receiver (Zertifizierung hin oder her) diesen Codec nicht.

Nun hat Mediatek zum Jahresbeginn eine passende Chip-Plattform für Fernseher vorgestellt. Sie transkodiert den IMAX-Enhanced-Streamingcodec in Echtzeit in ein DTS:X-Format, das aktuelle IMAX-Enhanced- und DTS:X-Receiver verstehen. Die Ausgabe des so geschaffenen DTS:X-Bitstreams läuft über den erweiterten HDMI-Audio-Rückkanal (Enhanced Audio Return Channel, eARC) vom Fernseher zum Receiver. Für andere Heimkino-Verstärker ohne DTS:X-Funktion wird der Datenstrom in gewöhnlichen DTS-Surround-Sound umgerechnet und ist dann auch über SPDIF und den gewöhnlichen HDMI-Audio-Rückkanal (ARC) verfügbar.

Kleiner Haken an der Sache: Fernseher mit der neuen Mediatek-Plattform sind voraussichtlich erst 2020 erhältlich. DTS und IMAX sind daher bei aktuellen Fernsehern zu einem Zwischenschritt gezwungen.

Dieser wird laut DTS darin bestehen, dass Rakuten TV und andere Dienste IMAX-Enhanced-Inhalte zunächst mit gewöhnlichem DTS-5.1-Ton (ohne Höheninformationen) zum Empfänger streamen. Die TV-App von Rakuten TV gibt diesen Audiodatenstrom auf zertifizierten Fernseher dann auf den verfügbaren Wegen (SPDIF, HDMI-ARC) aus, gegebenenfalls nachdem sie diesen selbst transkodiert hat. IMAX-Enhanced-zertifizierte Receiver geben diesen DTS-5.1-Ton in einem speziellen Modus wieder.

(nij)