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IOC-Präsident: Keine "Killerspiele" bei Olympia

Die Sportverbände sperren sich weiter dem organisierten E-Sport, wenn es um Titel wie Counter-Strike geht. Die Bundesregierung möchte nicht intervenieren.

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ESL One Hamburg

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

Obwohl sich die etablierten Sportverbände und Vereine in den vergangenen Jahren immer weiter dem E-Sport annähern, sperrt sich der ranghöchste Sportfunktionär immer noch kategorisch gegen eine volle Zulassung von E-Sport zu den Olympischen Spielen. "Wir können kein Spiel im Olympischen Programm haben, das Gewalt und Unterdrückung propagiert", sagte IOC-Präsident Thomas Bach der Nachrichtenagentur Associated Press. Diese Spiele stünden konträr zu den Olympischen Werten und könnten deshalb nicht akzeptiert werden.

Dabei hatte die Anerkennung des E-Sport zuletzt Fortschritte gemacht. So wurden bei Asian Games in Indonesien außerhalb des regulären Programms dank des Sponsors Alibaba auch E-Sport-Turniere ausgetragen. In vier Jahren könnten E-Sportler hier bereits erste Medaillen erhalten. Im Juli hatte sich das IOC mit Vertretern des E-Sports getroffen, um künftige Zusammenarbeiten zu eruieren. Doch auch nach dieser Annäherung sieht Bach keinen Weg dahin, Computerspiele ins olympische Programm zu heben, bei denen es um das Töten von Menschen gehe.

Hans Jagnow, Präsident des E-Sport-Bunds ESBD. kritisiert gegenüber heise online die Äußerungen Bachs: "Es ist für uns unverständlich, warum nach dem sehr offen gestalteten E-Sport-Forum in Lausanne weiterhin über die Konfliktdarstellung von E-Sport-Spielen diskutiert wird." So sei die Haltung der Sport-Funktionäre zu Gewalt in Computerspielen unverständlich, wenn es bei Sportarten wie Boxen oder Fechten keine Berührungsängste gebe. Bach hatte 1976 eine Goldmedaille im Fechten gewonnen.

Auf First-Person-Shooter oder andere Kampfspiele wollen die Vertreter der E-Sport-Branche nicht verzichten. "Eine Spaltung von E-Sport in einen guten oder bösen E-Sport wird es mit uns nicht geben", bekräftigte Jagnow, "Das entbehrt jeder sachlichen Grundlage." Der Computerspiel-Ligen seien sehr international aufgestellt und ein Vorzeigebeispiel für einen friedlichen sportlichen Wettkampf.

Auch für die deutsche E-Sport-Debatte hat diese Absage des IOC-Chefs konkrete Auswirkungen. So fordert die E-Sport-Branche seit langem die volle Anerkennung als Sportart. Würde das Internationale Olympische Komitee diesen Schritt vollziehen, müssten auch die deutschen Sportverbände nachziehen. Dies hätte automatisch vielfältige Folgen für deutsche E-Sport-Aktive – von der steuerlichen Anerkennung als lokale Sportvereine bis hin zu einer privilegierten Visa-Vergabe.

Obwohl sich SPD und CDU im Koalitionsvertrag darauf geeinigt hatten, sich für die Anerkennung des E-Sports einzusetzen, hat die Bundesregierung keinerlei Pläne für die Umsetzung dieses Versprechens, wie die Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag ergibt.

Zwar äußert sich die Bundesregierung darin prinzipiell positiv zu dem wirtschaftlichen, kulturellen und integrativen Potenzial des E-Sports, zieht sich aber ansonsten aus der Verantwortung. "Unter Beachtung der Autonomie des organisierten Sports bleibt abzuwarten, wie sich eSport entwickelt", heißt es in der Antwort. "Speziell die Fragen zu Verbandsstrukturen und Mitgliedschaften muss der Sport klären." Der Deutsche Olympische Sportbund will sich im Dezember mit der Frage des E-Sports erneut befassen. Bisher zeigen sich die einflussreichsten Mitgliedsverbände allenfalls für Sportspiele wie FIFA offen. Titel wie Counter-Strike stoßen aber auf entschiedenen Widerstand. (axk)