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IP-Adressen und Länder-Domains -- jeder will ein Stück von IANA

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Sowohl die Vertreter der Registries für IPv4- und IPv6-Adressen (Regional Internet Registries, RIR) als auch die der Länderdomain-Verwaltungen (ccTLDs) wollen Aufgaben von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) selbst übernehmen. Die RIRs legten dazu beim heute gestarteten ICANN-Treffen in Shanghai einen Vorschlag vor, demzufolge sie für die IP-Nummernzuteilung eine Internet Number Resource Registry (NRR) gründen wollen. Die Zuteilung der IP-Nummerblöcke gehörte bislang als Teil der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) zur ICANN. Sollten sich tatsächlich RIRs und ccTLDs durchsetzen, würde ICANN in erster Linie auf ein Gremium für generische Top Level Domains schrumpfen.

"ICANN hat selbst erklärt, dass sie Aufgaben weiter delegieren wollten. Wir wollen das delegiert bekommen. Also lasst uns das doch machen", sagte Geoff Huston, der als Vertreter von APNIC das neue Supergremium der RIRs vorstellte. Abwechselnd sollen die RIRs in Nordamerika (ARIN), Asien (APNIC), Europa (RIPE) und Lateinamerika (LACNIC) die Masterdatenbank für IPv4- und IPv6-Nummern betreiben. Der ICANN wollen die RIRs immerhin noch eine Art Aufsichtsrolle zubilligen. Dieses Konzept entspreche dem Gedanken einer echten Selbstverwaltung von unten, sagte Huston. In der bisherigen ICANN-Struktur liege demgegenüber die Gefahr, dass Entscheidungen auf ICANN-Ebene gefällt und den regionalen Registries von oben verordnet würden.

Genau gegen diese Situation kämpfen auch die Manager der Länderregistries. Schon die neuformulierten Regeln für die Delegation von Länderdomains (ICP-1) sei richtig gehend über die ccTLD-Manager gekommen. "Praktisch direkt vom Himmel", kritisierte DeNIC-Chefin Sabine Dolderer. Für sie existierten derart zu Stande gekommene Neuregeln schlicht nicht. Auf wenig Gegenliebe stoßen auch andere ICANN-Aktionen, etwa die eigenmächtige Entscheidung darüber, wer innerhalb der Reformdebatte die ccTLDs vertreten darf oder der gerade erst ausgestandene Machtkampf über die Frage, ob ICANN einen Anspruch auf die Zonendaten jeder einzelnen Länderregistry hat.

Noch kurz vor dem Treffen in Shanghai gab die ICANN-Führung im Fall des DeNIC nach, das sich geweigert hatte, die Zonendaten herauszugeben. ICANN hatte daraufhin notwendige Änderungen der Nameserver verweigert. Doch genau in der schnellen Aktualisierung der Datenbanken sehen die Vertreter der Länderregistries den "Service-Auftrag" der ICANN. Selbst bei Redelegationen versucht ICANN nach Ansicht einzelner Manager, sich zu stark in der Rolle des Regulators.

Unterstützung wollen die RIR-Vertreter sich auch von Regierungsseite sichern. Man sei bereits in entsprechenden Gesprächen, sagte APNIC-Chef Paul Wilson. Der RIR-Blueprint bedeutet ganz nebenbei auch, dass eine für den Netzverkehr zentrale Datenbank die USA im Rahmen des Rotationsverfahrens verlassen würde. Mehr Einfluss der Regierungen auf die Selbstverwaltungsorganisationen, von vielen ccTLDs als negative Konsequenz im ICANN-Prozess befürchtet, erteilte RIR-Vertreter Huston eine Absage und warb für eine klare Arbeitsteilung. Die Türen der RIRs stünden allen offen. Auch die Regierungen seien mehr als willkommen, mögliche Bedenken vorzubringen. "Allerdings müssen sie anerkennen, dass die Selbstregulierungsorganisationen der neuen Welt sehr gut funktionieren." (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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