IP-Fernsehen der Telekom soll sich verzögern

Der Start des Triple-Play-Dienstes T-Home wird Medienberichten zufolge später erfolgen, als ursprünglich geplant. Technische Probleme mit der IPTV-Plattform von Microsoft sollen die Telekom zur Verschiebung der Markteinführung bewogen haben.

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Von
  • Matthias Parbel

Ab der zweiten Jahreshälfte sollten Kunden im Ausbaugebiet des VDSL2-Netzes in den Genuss eines Kombiangebots von Telefon, Internetanschluss und IPTV mit über 100 Kanälen kommen. Unter dem Namen T-Home plant die Telekom einen gebündelten Dienst (Triple Play), der vor allem die Abwanderung von Kunden zu alternativen Telecom- und Kabelanbietern stoppen soll. Einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge sollte ursprünglich schon die Fußballweltmeisterschaft für den Vermarktungsstart genutzt werden, jetzt habe die Telekom aber offensichtlich wegen technischer Probleme mit der Internet-TV-Plattform von Microsoft den Start von T-Home noch weiter verschoben.

Um Kunden den neuen Dienst schmackhaft machen zu können, hatte sich die Telekom für die kommenden drei Jahre die TV-Live-Rechte für Bundesliga-Fußball im Internet gesichert und einen Kooperationsvertrag mit Premiere geschlossen. Nachdem Premiere inzwischen jedoch mit dem Erzrivalen Arena einen Vermarktungsvertrag für Kabelnetze eingegangen ist, könnte die Telekom ihre Option nutzen, stattdessen mit dem Sportsender DSF zusammenzuarbeiten. Beim Preis für das Bundesligapaket von T-Home will die Telekom die von Arena angekündigten 14,90 Euro pro Monat unbestätigten Meldungen zufolge deutlich unterbieten.

Zum Start der Bundesligasaison am 11. August soll voraussichtlich eine Interimslösung zumindest für Fußballfans angeboten werden. Der Start des kompletten T-Home-Angebots dürfte nach Informationen der FTD dann Mitte Oktober erfolgen. Bis dahin muss die Telekom die Schwierigkeiten mit Microsofts Internet-TV-Plattform in den Griff bekommen, die bereits dem Schweizer Telecom-Konzern Swisscom Probleme bei der Markteinführung seines TV-Dienstes Bluewin bereitet hatte. Für die Wahl der Middleware von Microsoft hatte sich die Telekom auch die Kritik der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF eingehandelt, weil diese einige wichtige europäische Fernsehstandards nicht unterstütze.

Die Telekom steht aber unter Druck. Durch Abwanderung von Kunden zu alternativen Telecom- und Kabelanbietern verliert der Konzern derzeit pro Quartal bis zu einer halben Million Anschlüsse. Derweil investiert die Telekom rund drei Milliarden Euro in den Ausbau des VDSL-Netzes. Gegen den massiven Protest von Wettbewerbern, der EU und verschiedenen Interessenverbänden bekommt der Konzern dabei Rückendeckung in Form von "Regulierungsferien".

T-Com-Chef Walter Raizner hatte damit gedroht, den weiteren Ausbau des Glasfasernetzes zu stoppen, das bisher erst in zehn Ballungszentren fertig gestellt wurde und bis zu zwei Millionen Haushalte erreicht. Betroffen wären davon 40 weitere Städte. Das schnelle VDSL-Netz mit Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 50 MBit/s ist aber eine entscheidende Voraussetzung für die Fernsehausstrahlung über das Internet, wie sie die Telekom mit dem Partner Premiere vereinbart hat. (map)