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IPIX droht deutschem Provider

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Der amerikanische Entwickler von so genannter Panorama-Software IPIX hat den Dresdner Provider Internet24 zur Abschaltung der Domain Easypano.net gezwungen. In einer E-Mail an Internet24 beschuldigte Matthew S. Heiter, Executive Vice President bei IPIX, das ostdeutsche Unternehmen, gegen bestehende Patente und Copyrights zu verstoßen. Entsprechenden Schutz genießt das IPIX-Verfahren zur Herstellung von Weitwinkel- beziehungsweise Rundum-Gesamtansichten bislang nur in den USA. Die europäischen Behörden haben einen entsprechenden Schutz für den europäischen Raum jedoch noch nicht erteilt.

Trotz zweifelhafter Rechtsgrundlage beschuldigt IPIX den Dresdner Provider, durch sein Hosting der Website Easypano.net das IPIX-Geschäft als auch das seiner Kunden erheblich negativ zu beeinflussen. Stein des Anstoßes ist die auf der Website angebotene Software "Panoweaver" vom chinesischen Entwickler Panorama Technologies, die, genauso wie das IPIX-Pendant, so genannte Panorama-Bilder herstellt.

Der Geschäftsführer des deutschen Vertriebs der chinesischen Panoramasoftware, TBK, ist über das Vorgehen von IPIX empört – zumal es nach seiner Schilderung nicht das erste Mal gewesen ist, dass die Amerikaner gegen die Software von Panorama Technologies vorgehen. "Ursprünglich wurde das Produkt auf der Website Easypano.com angeboten und vertrieben. Nachdem IPIX den Hoster (Dreamhost) jedoch abgemahnt hatte, mussten sich die Chinesen einen anderen Anbieter suchen - die Wahl fiel auf Deutschland und somit internet24", schildert Thomas B. Kunz seine Lage.

Der Internet24-Marketing-Leiter Felix C.A. Wittig versteht zwar den Unmut der TBK, muss der Forderung aber mit Blick auf das eigene Unternehmen stattgeben. "Wir können es uns als kleiner Provider einfach nicht leisten, uns mit solch großen Unternehmen anzulegen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die nun im Recht sind oder nicht", gab Wittig zu bedenken.

In einer E-Mail an heise online hat IPIX sein Vorgehen vehement verteidigt. Demnach wurde bereits vor einiger Zeit ein Patentantrag auf die so genannte Omniview Motionless Camera Surveillance System-Technik eingereicht -- eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Auch eine Mitteilung des europäischen Patentamts vom 29.10.2001, in der die Behörde IPIX die Bewilligung des Antrags in Aussicht gestellt hat, macht den Patentschutz hierzulande noch nicht rechtswirksam.

Auch der deutsche Mathematik-Professor Helmut Dersch hat bereits einschlägige Bekanntschaft mit dem US-Unternehmen gemacht. Dersch hatte Anfang Juni 2001 aus Angst vor einem drohendem Rechtsstreit mit IPIX seine Website vom Netz genommen. Auf dieser Site konnten sich Interessierte sein kostenloses Tool PTStitcher herunterladen, das nach Ansicht von IPIX ebenfalls Patente verletzt. Jedoch konnte IPIX damals wie heute kein durch die zuständige Behörde bewilligtes Patent vorlegen. (daa)