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IPv4-Adressen: Abschiedsgrüße, Mahnungen und Pappschilder

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Mit einem symbolischen Akt und vielen salbungsvollen Worten wurden am Montag in Miami (US-Bundesstaat Florida) die letzten fünf IPv4-Adressblöcke an die regionalen Internetadressverwaltungen übergeben: Die Chefs aller fünf Regional Internet Registries (RIR) nahmen bei der Zeremonie kamerataugliche Pappschilder entgegen, auf denen ihr letzter /8-IPv4-Block aus dem nun völlig leeren Pool notiert war.

Diese Blöcke mit jeweils rund 16,7 Millionen IPv4-Adressen waren eigens für diese letzte, außerordentliche Zuteilung reserviert worden. Die Sonderzuteilung soll sicherstellen, dass am Ende auch die RIRs noch einmal einen Schwung Adressen bekommen, die nicht wie aktuell das für Asien zuständige APNIC zwölf /8-Blöcke im Jahr verbrauchen.

Bereits in der Nacht zum Montag hatte die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzten freien Blöcke an das APNIC vergeben. Je nach aktueller Verbrauchsrate werden die Verwalter noch etwa zwei bis sieben Monate Adressen an Provider und Unternehmen vergeben können. APNIC-Chef Paul Wilson verwies bei der Veranstaltung in Miami darauf, dass man noch über Jahre kleine IPv4-Blöcke für Newcomer vergeben kann – praktisch als Brückenschlag aus ihrem IPv6-Netz.

Trotz positiver Beispiele wie dem World IPv6 Day waren sich die Experten bei der Sitzung in Miami offenbar immer noch nicht ganz sicher, dass mit der Ausgabe der letzten IPv4-Adresse IPv6 nun auch wirklich durchstartet. Olaf Kolkman, Chef des Internet Architecture Board (IAB), warnte daher davor, dass ein Beharren auf dem alten Protokoll schleichende Einschränkungen mit sich bringen könne. Zwar würden beide Protokolle auf Jahrzehnte hinaus nebeneinander existieren. Der Versuch, aus einem IPv4-Netz heraus zu wachsen, werde aber immer mehr Schichten zur Übersetzung und Vermittlung zwischen den beiden Protokollen erfordern.

Kolkman nannte Network Address Translation (NAT), Application Layer Gateways (ALG) oder Carrier Grade NAT, die schon jetzt Diensten wie Internettelefonie, etwa Skype, oder P2P-Diensten das Leben schwer machen. "All die neuen Anwendungen, die wir noch nicht kennen", würden damit nicht funktionieren. Ein Festhalten an IPv4 sperre im schlimmsten Fall Innovationen aus Teilbereichen des Internets aus, fügte die Präsidentin der Internet Society Lynn St. Amour hinzu. (Monika Ermert) / (rek)

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