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IPv4-Adressen als "heiße Ware"?

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Wenn IPv4-Adressen knapp werden, könnten sie mehr und mehr zur interessanten und handelbaren Ware werden. Die regionalen Internet-Registries (RIR), Hüter der IP-Adresszuteilung, beobachten dies mit Sorge. Erlauben sie zukünftig die Transfers oder Verkäufe offiziell, akzeptieren sie damit Kommerzialisierung und Privatisierung. Der Versuch, auf die Rückgabe an die RIRs zu bestehen, könnte den wohl unausweichlichen Handel in den Untergrund treiben. Spätestens nachdem das Gerücht die Runde machte, IP-Adressblöcke seien auf eBay aufgetaucht, begannen die RIRs Diskussionen darüber, wie mit dem IPv4-Schwarzhandel umgegangen werden soll. Bei drei der fünf RIRs – RIPE, ARIN und APNIC – liegen Vorschläge zu Transferregeln bereit. Beim RIPE-Treffen in Berlin wurde intensiv über die Regeln für IPv4 in der RIPE-Region diskutiert.

Transfers von Adressen gibt es schon heute, in der Regel im Rahmen von Firmenübernahmen oder -zusammenschlüssen. Regeln für solche Transfers sind daher ohnehin notwendig, denn die Adress-Registries müssen die Inhabereinträge in den Datenbanken aktuell halten. Das fordern schon allein die Behörden von den Selbstverwaltern.

Ein neuer Run auf IPv4-Adressen und ein damit verbundener schwunghafter Handel könnte in den kommenden Jahren durch die schwindenden Adressreserven angeheizt werden, fürchten die RIPE-Experten. Schon in rund drei Jahren, ± 18 Monate, sind die IPv4-Adressreserven nach aktuellen Schätzungen erschöpft. Von den RIRs selbst sind dann nur noch die IPv6-Adressen zu bekommen. Zwar bemühen sich RIPE und die Schwester-Registries, nicht genutzten Adressraum zurückzugewinnen. Der operative Arm des RIPE, das RIPE NCC, hat dazu über einhundertfünfzig Adressinhaber angeschrieben, deren Adressen nicht in Routing-Tabellen auftauchen und offenbar ungenutzt sind.

Aufhalten lässt sich die Ausgabe der letzten IPv4-Adressen kaum, denn zu groß ist die Nachfrage. Zwar gibt es mit IPv6 schon heute eine Quelle für aus gegenwärtiger Sicht unerschöpflichen Adressraum. Da aber noch auf Jahre oder Jahrzehnte beide Adressräume parallel existieren werden und auch neue Anbieter IPv4 für eine Brücke zwischen beiden Welten zunächst benötigen, steigt der Wert von IPv4-Adressen.

ARIN, IP-Registry für Nordamerika, will sich für eine Regulierung des künftigen Handels entscheiden. Laut dem vorliegenden Entwurf müssen "Adressverkäufer" und "Adresseinkäufer" eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Die Weitergabe der Adressen wäre beim ARIN anzumelden, damit geprüft werden kann, ob sie diese Bedingungen erfüllen. RIPE NCC solle lediglich als Clearing-Stelle fungieren und den neuen Inhaber in die Datenbank aufnehmen. Erworbene Adressen können allerdings auch beim RIPE nicht innerhalb der nächsten 24 Monate weitergegeben werden.

Ganz gegen eine solche Transferregelung sprach sich ein Vertreter von British Telecom aus. Ohnehin seien die größten Adressinhaber eine Hand voll großer ISPs. Die seien am Handel kaum interessiert. Auch der Verband der großen Telekommunikationsbetreiber ETNO stellt sich gegen eine Liberalisierung. (Monika Ermert) / (anw)