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IPv6: Tunneldienst SixXS nimmt ab sofort keine neuen Teilnehmer an

Die Betreiber sind unzufrieden damit, dass Internet-Provider die Kunden, die nach IPv6 verlangen, zum Tunnel-Broker schicken, anstatt selbst IPv6 anzubieten. Die Diensteinschränkung soll nun die IPv6-Implementierung bei Providern beschleunigen.

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IPv6: Tunnelanbieter SixXS nimmt ab sofort keine neuen Teilnehmer an

Die Betreiber des kostenlosen IPv6-Tunneldienstes SixXS haben ihren Service mit sofortiger Wirkung eingefroren – neue Teilnehmer nimmt der Anbieter nicht mehr an und registrierte Nutzer erhalten keine weiteren Tunnel und Subnetze mehr. Das meldet Jeroen Massar, einer der beiden Initiatoren des Dienstes in einem Rundbrief.

Tunnelbroker wie SixXS liefern bisher einen zuverlässigen Weg, über Anschlüsse, die nicht für IPv6 ausgelegt sind, dennoch per IPv6 Ziele im Internet anzusteuern; der IPv6-Verkehr wird mittels spezieller Client-Software über IPv4-Tunnel zu einem der weltweit vielen PoPs (Points of Presence) geleitet, der ihn aus dem Tunnel entnimmt und selbst per IPv6 zum Ziel weitergibt.

Nun fordern die Betreiber die Nutzer dazu auf, entschieden IPv6 von ihren Providern zu verlangen. Vielen regionalen Adressvergabestellen seien wie erwartet die freien IPv4-Adressräume ausgegangen, währenddessen sich IPv6 bei vielen Institutionen und großen Unternehmen etabliert hat.

15 Jahre lang hat SixXS die IPv6-Entwicklung gefördert und das anscheinend zu gut. Aus Sicht der Anbieter verhalten sich weltweit viele Internet-Provider so, als würden sie davon ausgehen, dass sie der SixXS-Tunneldienst davon befreit, selbst IPv6 zu implementieren. Unterm Strich konstatieren die Betreiber weltweit eine Stagnation bei der IPv6-Verbreitung, obwohl keine neuen IPv4-Adressen mehr zu bekommen sind. Deshalb werde künftig auch der IPv6-Verkehr von bereits aktivierten Tunneln künftig gebremst – ein sanfter Hinweis darauf, dass der Dienst nicht ewig laufen wird.

IPv6 im Aufwind: Es geht zwar offensichtlich voran, aber den Betreibern des SixXS-Tunnels offenbar nicht schnell genug. Manche Provider scheinen sich darauf auszuruhen, dass ihre Kunden IPv6-Verkehr über Tunnel abwickeln können.

Insgesamt sollen so jene Provider einen Denkzettel erhalten, die der Entwicklung in den vergangenen beiden Jahrzehnten zugeschaut haben und IPv6 nicht einmal im Test- geschweige denn im Produktivbetrieb einsetzen.

Weltweit wächst der IPv6-Anteil am Internet-Verkehr zwar beständig, aber es könnte sicherlich schneller gehen. Der Web-Service von heise.de registriert beispielsweise seit 2013 eine deutliche Zunahme des IPv6-Verkehrs. Aktuell liegt er bei rund 18 Prozent gegenüber 0,6 Prozent zu Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2011. Google zufolge beträgt der IPv6-Anteil deutschlandweit gegenwärtig sogar 23 Prozent. Daran haben hauptsächlich einige überregionale Provider großen Anteil, darunter die Deutsche Telekom, die als erstes Unternehmen IPv6 auch in ihrem Mobilfunknetz implementiert hat oder auch Unity Media und Kabel Deutschland (inzwischen gehört das Unternehmen zu Vodafone). Viele Regionale Provider tun sich hingegen noch schwer mit der letztlich unumgänglichen Aufrüstung. (dz)

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