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ISC stellt Entwicklung an seinem BIND10-DNS-Server ein

Das Unternehmen hat die letzte von ihm entwickelte Version veröffentlicht und zieht sich aus der weiteren Entwicklung zurück. Dabei sollte BIND10 ursprünglich BIND9 ablösen, das seinerzeit Hochleistungs-Server nur unzureichend ausschöpfen konnte.

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Das Internet Systems Consortium (ISC), das mit BIND einen der verbreiteten DNS-Server für Unix-basierte Systeme entwickelt, hat die Arbeit am BIND10-Zweig etwas überraschend eingestellt. Weitergepflegt werde aus Mangel an Ressourcen nur noch der weiterhin sehr verbreitete BIND9-Zweig des Open-Source-DNS-Servers. Als letzten Entwicklungsschritt, der unter ISC-Regie entstand, hat das Unternehmen nun die Version 1.2 von BIND10 zum Download freigegeben.

Den aktuellen Quellcode des BIND10-Zweigs will ISC der Community zur Weiterentwicklung übergeben. Den Namen hat ISC von BIND10 zu Bundy geändert, um Verwechslungen mit dem weiterhin in Eigenregie fortgeführten Projekt BIND9 zu vermeiden. Aus der BIND10-Entwicklung wurde jedoch der DHCP-Server herausgenommen; den will ISC unter dem Namen Kea weiterhin selbst entwickeln (Bundy wie auch Kea sind ISC zufolge von Papageienarten entlehnte Bezeichnungen).

Den bisher wenig verbreiteten BIND10-Zweig seines DNS-Servers übergibt ISC mit den besten Wünschen an die Community. Das Unternehmen will fortan nur noch BIND9 wie bisher selbst weiterentwickeln.

(Bild: ISC)

Derweil engagiert sich bereits eine kleine Entwicklergruppe um den Fortbestand von Bundy. Sie arbeitet gegenwärtig an einem ersten eigenen Release, will den Binär- und Quellcode für Bundy bald auf GitHub veröffentlichen und sucht noch weitere Unterstützer. Aktuelle Informationen zu Bundy sind über Mailing-Listen erhältlich. BIND10 besteht aus diversen Komponenten. Neben dem authoritativen Server sind das ein Kontroll- und ein Logging-Framework, Application-Interface, Statistik-Server, Remote-Control-Daemon, Konfigurations-Client und diverse andere Werkzeuge für den Betrieb und die Entwicklung.

Scott Mann, Vice President of Engineering bei ISC, verabschiedete BIND10 mit warmen Worten. Es sei "eine exzellente Software und ein großer Schritt vorwärts für die OpenSource-Infrastruktur-Software". Er musste jedoch auch eingestehen, dass BIND9 nach wie vor deutlich mehr Verbreitung findet, als BIND10.

An BIND10 hatte ISC, das sich unter anderem über Spenden finanziert, mehrere Jahre gearbeitet. Ausgangspunkt im Jahr 2009 war die Einsicht, dass BIND9 den Anforderungen großer DNS-Betreiber nicht gewachsen war – BIND9 schöpfte die Leistung von damals großen Server-Maschinen (mehr als 4 GByte RAM, mehr als 6 Kerne) nur unzureichend aus. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Für BIND9 fand ISC Wege, Hochleistungs-Server besser auszuschöpfen und nachdem der Spendenfluss für zwei BIND-Zweige knapp wurde, blieb praktisch nichts anderes übrig, als sich vom bisher ungeliebten BIND10 zu trennen. (dz)

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