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ISEE-3/ICE: Kurskorrektur der Uralt-Sonde im ersten Anlauf gescheitert

Eine geplante Kurskorrektur der Uralt-Sonde ISEE-3/ICE ist in der vergangenen Nacht gescheitert. Das Triebwerk geriet nach kurzer Zeit ins Stottern. Noch bleiben einige Tage Zeit für das Manöver.

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Nach einer Serie komplexer Manöver entschwand ISEE-3 im Anschluss an seine Mission in den Tiefen des Sonnensystems. Nun besteht die Möglichkeit, die Sonde wieder einzufangen.

Das Crowdfunding-Projekt "ISEE-3-Reboot" zur Rettung der in den 70er-Jahren konzipierten und gestarteten Sonde ISS-3/ICE hat einen Rückschlag erlitten. Bei der geplanten Kurskorrektur, die die Sonde von einer Sonnenumlaufbahn über einen nahen Vorbeiflug am Mond in eine Umlaufbahn in der Nähe der Erde bringen soll, zündeten die Triebwerke nicht wie geplant.

Die Sonde hat rund ein Dutzend simpel aufgebaute Hydrazin-Triebwerke. Der Vortrieb entsteht dadurch, dass ein Katalysator in Drucktanks gelagertes Hydrazin in Ammoniak und Stickstoff zersetzt. Das entstehende Gas wird durch eine Düse geleitet und sorgt dadurch für den Vortrieb. Gelingt es, das Triebwerk mit Treibstoff zu versorgen, zündet es, ohne dass weitere Maßnahmen erforderlich wären. Ein Problem ist dabei der Schmelzpunkt von Hydrazin, der bei 1,5 °C liegt. Die Treibstoffleitungen müssen deswegen beheizt werden.

Die Hydrazin-Triebwerke der Sonde arbeiten mit kurzen Impulsen. Die erfolgreiche Korrektur der Eigenrotation der Sonde erforderte 11 Impulse. Für die Korrektur der Flugbahn in der vergangenen Nacht waren 423 bis 435 Impulse in sieben Abschnitten geplant. Nach dem erfolgreichen Zünden der 63 Impulse des ersten Abschnitts traten aber Probleme auf, das Team entschied sich daher, die Zündung zu Beginn des zweiten Abschnitts abzubrechen.

Vor der Zündung schaltete das Team die Heizung für die Treibstoffleitungen ab, um Energie zu sparen. Möglicherweise gefror dadurch das Hydrazin und legte das Triebwerk lahm. Das wäre fast noch der Idealfall, denn dieses Problem ließe sich leicht beheben. Allerdings wäre es auch möglich, dass der Treibstofftank nicht mehr unter Druck steht, der Treibstoff verbraucht ist oder ein Ventil versagt hat. Da viele Systeme der Sonde redundant ausgelegt sind, lässt sich auch in diesen Fällen möglicherweise eine Lösung finden.

Das Team wird seine Bemühungen um die Rettung der Sonde fortsetzen und die Fehler zunächst einmal analysieren. In der kommenden Nacht steht die Kommandoverbindung zur Sonde wieder – mit ein wenig Glück klappt die Triebwerkszündung dann. Das Fenster für die Kurskorrektur steht noch einige Tage lang offen. (uma)

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