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ISEE-3/ICE: Triebwerke der Uralt-Sonde zünden nicht mehr

Die Kurskorrektur der 1978 gestarteten Sonde ISEE-3/ICE droht zu scheitern. Möglicherweise reicht der Druck in den Treibstofftanks nicht mehr aus für eine Zündung.

ISEE-3/ICE war die erste Sonde, die einen Vorbeiflug an einem Kometen absolvierte.

Das mit Crowdfunding-Mitteln finanzierte Projekt ISEE-3-Reboot, das die 1978 gestartete Sonde ISEE-3/ICE in eine erdnahe Umlaufbahn um den Lagrange-Punkt 1 des Erde-Sonne-Systems bringen sollte, droht zu scheitern. Das Team verbrachte die gesamte Zeit des Kommunikationsfensters in der Nacht zu Donnerstag damit, nach der Fehlerursache für das Triebwerksversagen am Vortag zu suchen. Durchprobiert wurden dabei verschiedene Einstellungen für Tanks, Ventile und Triebwerke für eine erneute Triebwerkszündung, jedoch ohne Erfolg. Die Ursache der Störung ist noch nicht abschließend geklärt, die Treibstoffventile arbeiten anscheinend aber korrekt.

Da sich das Fenster für eine erfolgreiche Kursänderung bald schließt, droht das Projekt nun zu scheitern. "Wir befürchten, dass der Stickstoff als Druckgas für das Hydrazin aufgebraucht ist", erklärte Keith Cowing, einer der Projektleiter. Möglicherweise habe ein winziges Leck dafür gesorgt, dass der Stickstoff im Laufe der vielen Jahrzehnte aus dem Vorratstank gesickert ist – dazu hatte er immerhin 36 Jahre lang Zeit. Das wäre fatal, denn ohne Druck auf den Treibstofftanks ist eine Zündung nicht mehr möglich, auch wenn sich noch genügend Hydrazin darin findet. Die Hoffnung möchte Cowing dennoch noch nicht ganz aufgeben: "Wir haben immer noch eine Reihe von Möglichkeiten für die Störungsbeseitigung, die noch zu untersuchen sind", sagte er.

Falls keine Triebwerkszündung mehr möglich ist, wird ISEE-3 an der Erde vorbeiziehen und wieder für Jahrzehnte in den Tiefen des Sonnensystems verschwinden. Pläne der NASA, die Sonde zu bergen und anhand dieses Objekts aus der Frühzeit der Raumfahrt zu untersuchen, wie Satelliten im Laufe von Jahrzehnten altern, wären dann auch hinfällig. Es könnte sogar noch schlimmer kommen: Es besteht ein geringes Risiko, dass ISEE-3 auf den Mond stürzt, da die derzeitige Flugbahn am 10. August extrem dicht an dessen Oberfläche vorbeiführt. Freitag Nacht sollen Position und Kurs der Sonde nochmals genauer vermessen werden. Falls es nicht mehr gelingt, die Triebwerke zu zünden, haben die Beobachter aber keinerlei Möglichkeit mehr, einzugreifen. Scheitert die Kurskorrektur, soll die Sonde wieder in den wissenschaftlichen Modus versetzt werden und Daten zur Erde funken – bis sie eines Tages endgültig verstummt. (uma)

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