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ISSCC: Sony rückt Details zu neuem Grafikchip heraus

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Auf der International-Solid-State Circuit Conference (ISSCC) hat Sony weitere Details zum Nachfolger des in der Playstation 2 eingesetzten "Graphics Synthesizer" bekannt gegeben. Die genannten Zahlen sind recht beindruckend: Statt 42,7 Millionen Transistoren kommt das Nachfolgermodell auf 287,5 Millionen, die sich auf eine Fläche von 462 Quadratmilimeter (21,7×21,3 Millimeter) untergebracht werden. Damit ist der Grafikprozessor um einiges größer als sein Vorgänger, der gut 282 Quadratmilimeter Fläche beanspruchte.

Dabei soll der neue Chip gleich in einem 0,18-µm-Prozess gefertigt werden, was bei den Chips für die Playstation 2 Schwierigkeiten bereitete und für Lieferengpässe gesorgt hat.

Auf dem Grafikprozessor soll sich 256 MBit Embedded-DRAM befinden, achtmal mehr Speicher als beim Vorgängermodell. Offenbar reagiert Sony damit auf die Kritik vieler Programmierer, die sich mit dem gerade einmal 4 MByte großen Videospeicher des PS2-Grafikchips herumschlagen mussten.

Die RAM-Einbettung ist alleine aber schon recht sensationell, hat sie doch einen Haken in der Fertigungstechnik: Grafikchips sind Logikbausteine, also aus Gattern für Und- und Oder-Verknüpfungen aufgebaut, aus denen man wiederum höhere Rechenfunktionen und kleine Speicher (Flipflops) für Register oder Caches zusammensetzt. DRAMs sind dagegen im Wesentlichen große Kondensatorfelder, in denen man über eine Transistormatrix Nullen und Einsen in Form von winzigen elektrischen Ladungen einschreiben und auslesen kann.

Für beide Chiptypen gibt es jeweils optimierte Fertigungsprozesse. Will man beides auf einem Chip vereinen, muss man sich jedoch entweder für eine logik- oder eine speicherorientierte Fertigungstechnik entscheiden. Embedded-DRAM ist mit Sicherheit eine wichtige Option für 3D-Grafikchips, auf die früher oder später alle Hersteller zurückgreifen werden. c’t hat zu diesem Thema in der Ausgabe 16/2000 einen ausführlichen Bericht ("Pixel-Tuning") veröffentlicht.

Der Chip soll nach Angaben von Mitentwickler Simplex Solutions Inc. eine Pixel-Füllrate zwischen 1,2 und 2,6 Gigapixel pro Sekunde erreichen und pro Sekunde 75 Millionen Polygone zeichen können. Aus Erfahrung sind derartige Angaben aber mit Vorsicht zu genießen: Auch bezüglich des Graphics Synthezisers in der PS2 schwankten die Angaben um etliche Millionen Polygone und wurden teilweise mit über 60 Millionen Polygonen pro Sekunde angegeben. Unter "realen Spielbedingungen" blieben schließlich etwa 20 Millionen Polygone pro Sekunde übrig. Nach den – ebenfalls bislang nicht nachprüfbaren – Angaben von Microsoft soll deren XBox mit Grafikchip von nVidia 100 Millionen Polygone pro Sekunde ausspucken.

Ob der neue Chip tatsächlich in einem Nachfolgermodell der Playstation 2 eingesetzt werden soll, gab Sony bislang nicht bekannt. Bereits Ende Juli 2000 war hingegen ein Einsatzgebiet der Prozessors genannt worden: Er soll in eine von Sony entwickelte Power-Maschine für digitales Kino namens GScube zum Einsatz kommen. Über Preis und Verfügbarkeit des Chips hält sich Sony bislang jedoch bedeckt. (nij)