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IT-Branche fordert mehr ausländische Fachkräfte

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Vor dem sogenannten IT-Gipfel der Bundesregierung hat die Wirtschaft einen eklatanten Fachkräftemangel in der Informationstechnologie-Branche beklagt. Der Branchenverband Bitkom hält den Zuzug von jährlich 10.000 Computerspezialisten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union für nötig. Das Software-Unternehmen SAP warf Bund und Ländern eine verfehlte Bildungspolitik vor.

Auf dem zweiten nationalen "IT-Gipfel" am morgigen Montag in Hannover will Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder mit Top-Managern, Politikern und Wissenschaftlern über den IT-Standort Deutschland diskutieren. Die Kanzlerin sagte in ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft, die Berufe in der Branche böten gute Chancen, "Menschen Wohlstand und Perspektiven in ihrem Berufsleben zu geben".

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder ging im Tagesspiegel am Sonntag von einem jährlichen Bedarf von 10.000 IT-Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten aus. "Diese Einwanderer müssten dann aber auf jeden Fall eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen." Rohleder verlangte zudem eine bessere Hochschulausbildung, um mehr Personal rekrutieren zu können. SAP-Chef Henning Kagermann sagte der Welt am Sonntag: "Wenn die Politik und die Hochschulen früher damit begonnen hätten, mehr Informatiker auszubilden, dann hätte auch SAP heute mehr Mitarbeiter in Deutschland."

BDI-Präsident Jürgen Thumann verlangte ein flexibleres arbeitsmarktorientiertes Zuwanderungsrecht: "Es muss für ausländische Fachkräfte lukrativer werden, in Deutschland zu arbeiten. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist weltweit in vollem Gang." In Deutschland werde der Fachkräftemangel für die Industrie zunehmend zur Wachstumsbremse, klagte Thumann.

Die Gewerkschaft ver.di warnte davor, die Bedeutung neuer IT-Technologien allein auf technische Anwendungen und neue Märkte zu beschränken. "Gesellschaftliche Knackpunkte wie Meinungsfreiheit, Daten- und Konsumentenschutz, die öffentliche Grundversorgung im Informationszeitalter sowie die gesetzlich garantierte Mitbestimmung von Arbeitnehmern werden ausgeblendet oder allenfalls am Rande diskutiert", kritisierte ver.di-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp. (dpa) / (hob)