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IT-Desaster droht bei Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder

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Das Desaster des polizeilichen Informationssystems Inpol-neu ist kein Einzelfall bei deutschen Behörden. Ein Flop ähnlicher Größenordnung scheint die "Integrierte Sachbearbeitung" der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder zu werden. Seit 14 Jahren wurden 100 Millionen Mark in das IT-Projekt investiert -- doch eine "angemessene informationstechnische Unterstützung", so der Bundesrechnungshof in einem Bericht, erhielt sie bis heute nicht. Ständig neue Anforderungen durch Satzungsänderungen behinderten die Entwicklung.

Aufgabe der Behörde ist es, Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine zusätzliche Alters- und Hinterbliebenenversorgung zu gewähren. Nun soll das Bundesfinanzministerium, das über die Anstalt die Aufsicht führt, für ein glimpfliches Ende des Abenteuers sorgen. Eine Lösung des Problems verschob das Ministerium jedoch erst einmal wegen der Rentenreform, da durch diese das IT-Projekt hinfällig werde. BMF-Sprecher Jörg Müller kündigte gegenüber heise online an, dass erst "nach der Systemanpassung eine Organisationsuntersuchung für die gesamte Anstalt erfolgen wird".

Das renommierte Marktforschungsunternehmen Kienbaum schätzt, dass 50 Prozent aller IT-Projekte in der öffentlichen Verwaltung scheitern. In der freien Wirtschaft sind es 40 Prozent. Norbert Terglane, Leiter des Bereichs Informations-Management, sieht einen Grund in den "zu komplexen Entscheidungsstrukturen". Dies führt unter anderem dazu, dass "die Verantwortungsfrage bei IT-Projekten in der öffentlichen Verwaltung oftmals ungeklärt bleibt", meint Terglane. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (jk)